Ausstellung im Faro von Fuencaliente

leuchtturm

Text: Do Fritzsche

Die äußerste Südspitze la Palmas lohnt in jedem Fall einen Besuch: nicht nur wegen des umwerfenden Ausblicks auf das tosende Meer, wie es an die steilen schwarzen Klippen kracht, nicht nur, weil die Fahrt dorthin über eine der schönsten Küstenstrassen der Insel führt, durch Weinfelder, alte begrünte Lavalandschaften und ganz plötzlich – durch schwarze bizarre Schlackeberge, bis schließlich die Strasse abzweigt hinunter zum Faro, dem alten Leuchtturm und den berühmten Salinen von la Palma.
Mittlerweile hat der alte Leuchtturm einen modernen großen Bruder bekommen, der dem Alten jetzt die Arbeit abgenommen hat und seinen Korpus klassisch rot weiß in den blauen Himmel reckt. Daneben aber steht der, beinahe trutzig wirkende alte Leuchtturm, in schwarzem Lavastein erbaut und von einem Gebäude umgeben, dass heute eines der schönsten und neuesten Informationszentren der Insel beherbergt: das Centro de Informacion de la Reserva marina: Es geht um die Unterwasserwelt.

Der Besucher tritt in einen Gang mit hohen Schautafeln, die ihre Aussagekraft aber weniger aus vielen Worten beziehen, die Macher dieser kleinen Schau vertrauen vielmehr auf die Wirkung des Bildes. Zurecht: nur die wenigen mehrsprachigen Sinnsprüche regen den Besucher zum genauen Hinschauen und Nachdenken an. Nach einigen Schritten verdunkelt und verengt sich der Gang. Rechts und links ragt buckliges Gestein aus der Wand. Durch einen engen Durchgang betritt der Besucher plötzlich einen schummrig beleuchteten Raum. Bereits nach dem ersten Schritt zögert er, denn es scheint, als ob sich unter ihm der Boden abgesenkt hat , nur mühsam erkennt er, dass dort Schrottteile auf steinigem Untergrund liegen und der Betrachter fragt sich irritiert: wo bin ich hier? Ein Blick in die Runde zeigt, es ist eine Unterwasserwelt, die hier entstanden ist.

Der Boden, belegt mit Plexiglas zeigt den Grund des Meeres, wie man ihn um La Palma herum sehen könnte, wäre man ein Taucher. Und die Wände sind wie ein Riff gestaltet, an dem Fische, Muränen und Wasserschildkröten zu schwimmen scheinen. Und mitten im Raum, riesig und etwas irritierend schwebt ein Delphin, gefangen- in einem Netz. Der Blick geht an die Decke und dort setzt sich die Unterwasserscheinwelt fort, den dort schwebt der Schatten eines Bootes, das das Netz ausgeworfen hat, in dem sich nun ein Delphin gefangen hat. Was will uns das Bild sagen? Ein Kurzfilm, der an der Stirnwand des Raumes abgespielt wird, löst das Rätsel: es geht um den Schutz der Unterwasserwelt und insbesondere der Delphine vor den Folgen falschen Fischfangs.

Und auch der Hauptfilm, der folgt, zeigt uns, was wir durch überfischen verlieren könnten: die überwältigende Schönheit der Unterwasserwelt um La Palma. Die Vielfalt dieser Unterwasserwelt vor den Küsten La Palmas ist erstaunlich. Nicht nur die filigrane Zartheit der Quallen, die mit ihren Tentakeln vielfarbig das tiefe Blau durchpflügen, auch die beinahe meditative Behäbigkeit der Wasserschildkröten und vor allem das majestätische Gleiten des Riesenrochens entlocken den Besuchern vielfache „Aahs und oohs“.
Trotz des Staunens empfiehlt es sich, in diesem Raum einen Moment der Stille zu genießen, den Blick schweifen zu lassen, sich von der Atmosphäre dieser nachempfundenen Unterwasserwelt ganz gefangen nehmen zu lassen: Es ist ein schöne, eine äußerst fragile Welt, bedroht, wie so vieles, von Menschenhand und kann doch nur durch sie erhalten und gerettet werden. Der Besucher spürt: diese Art Informationszentrum macht Sinn.

Tritt man dann wieder hinaus in die blendende Sonne und lässt den scharfen Atlantikwind die Haare durchpusten, ist man einen Moment fast wie blind und doch ganz erfüllt und tief berührt. Wie schön, das dieser Ausflug in die Unterwasserwelt ganz kostenlos, doch sicher nicht umsonst, zu haben ist. (Ausgabe 1 / Sommer 2008)

Hinweis: Die Ausstellung ist zeitweise leider immer mal wieder geschlossen. Wer sich jedoch auf den Weg gen Südspitze La Palma macht, findet gleich nebenan die ebenfalls sehenswerten Salinen.

Tauchgang vor La Palma

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Wer auf die Kanaren fliegt, will baden gehen. Wer sich für La Palma entscheidet, merkt bald, dass der Atlantik überall schnell tief wird. Was über Wasser durch steile Barrancos und hohe Berge beeindruckt, geht unter Wasser weiter und ist mit Flossen, Tauchermaske und Schnorchel allenfalls zu erahnen. Warum also nicht richtig tauchen lernen?
Sicher, wir sind für das Leben unter Wasser im Grunde nicht geeignet. Wir brauchen Luft, festen Boden unter den Füßen und eine Orientierung im Raum. Doch die Schwerkraft zu überwinden, in einem für uns lebensfeindlichen Element mit Hilfe einfacher Technik für ungefähr eine Stunde Gast sein zu dürfen, ist ein Menschheitstraum und gerade mitten im Atlantik an Faszination kaum zu übertreffen.
Wer Schwimmen kann, gesunde Ohren hat und über eine durchschnittliche körperliche Konstitution verfügt, der sollte Gerätetauchen ausprobieren. Ohne Leistungsdruck, ganz langsam, denn Tauchen ist kein Wettbewerb. Viele schnelle Bewegungen und Stress brauchen auch viel Luft und verkürzen das Vergnügen – also ist Ruhe angesagt.

Dem Anfänger sei ein Probetauchgang angeraten, z.B. in einer PADI-Tauchschule das „Discover-Scuba-Diving“. Der Tauchlehrer gibt eine ausführliche Einweisung, von einem Video unterstützt. Die Ausrüstung wird gemeinsam vorbereitet und das Tauchgebiet sowie das Verhalten unter Wasser erklärt – dann geht es los.
Die Ausrüstung wiegt schon einiges, Flasche, Jackett zum tarieren der Tauchtiefe, Bleigurt zum Ausgleich des Auftriebs vor allem des Anzugs, Atemregler, Flossen, Maske etc. – da kommen schon 20 Kg zusammen. Selbst im Winter ist jedem Taucher warm, der das Wasser erreicht hat.
Das eigene Körpergewicht wie das der Ausrüstung ist verflogen, sobald man im Wasser ist. Und darum geht es: Schwerelos wie ein Astronaut darf man sein, am Jackett lässt sich der Auftrieb im Zusammenspiel mit der Atmung so genau regulieren, das man frei in der gewählten Tiefe schwebt. Kaum ein Flossenschlag ist nötig, um dem vielfältigen Leben unter Wasser zu folgen. Selbst in Tiefen bis zu 10 Metern.

Fischschwärme begleiten die Taucher, einzelne Exemplare suchen die Felsen ab oder verbergen sich in Höhlen und Nischen. Was man bisher nur aus dem Fernsehen kannte, ist unmittelbare Gegenwart, dazu noch in der grandiosen Felslandschaft erstarrter Lavaströme. Auch Anfänger können zwischen 30 und 45 Minuten unter Wasser sein, bis der Füllstand der Flasche zur Rückkehr zwingt.
Sicher, das tiefe Blau, der erforderliche Druckausgleich, die fehlende Schwerkraft und die – wie eingangs erwähnt – eigentlich für den Menschen ungeeignete Umgebung sind Herausforderungen – aber man ist nie alleine. Mit Hilfe einfacher Zeichensprache der Taucher kann jeder jederzeit den Tauchgang beenden – doch, aus diesem Film taucht man nur ungern wieder auf. (hcr) (Ausgabe 1 / Sommer 2008)