Auswandern nach Spanien

Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna ??

Abgewandelt kann man auch fragen, sind wir nicht alle ein bisschen „Flüchtling“??

Zuweilen flüchten sich die Menschen vor ihren Ehen in die Arbeit, flüchten sich in den Alkohol um anderen Problemen zu entkommen. Und Andere wiederum flüchten vor grauen Wintertagen in den Süden. Am tragischsten ist die Flucht vor dem Krieg. Das aber soll hier nicht diskutiert werden. Einzig die Flucht, wenn man sie denn überhaupt immer so nennen kann, in den Süden will hier behandelt werden.

Im Jahr 2014 sind 148.636 Deutsche ausgewandert.

 

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Auswandern nach Spanien

Von diesen 148 Tausend sind aber gerade einmal 6.155 nach Spanien gezogen. Auswandern nach Spanien ist also durchaus im Trend. Im Jahr 2008 wanderten noch 182.00 Deutsche aus und in 2015 waren es noch 130.505 Deutsche. Da spielen dann wohl die Jobaussichten eine gewisse Rolle und versprechen Sicherheit. Und die ist dem Deutschen sehr wichtig. Hier in Spanien nennt man uns gerne mal cabezota, den Dickkopf. Allgemein gibt es genügend Begriffe mit denen man uns charakterisieren will. Unrühmlich werden wir am meisten als Spießer bezeichnet.
Was ich leider bestätigen muss. Mit Zahlen kann man aber auch allerhand Unfug betreiben und so sind die Zahlen eher frei zu interpretieren. Der durchschnittliche Deutsche glaubt nicht an UFO´s, raucht vier Zigaretten am Tag telefoniert einmal die Woche mit „Mutti“, wobei ich hier nicht unsere Rauten-Führung meine, und der Deutsche hätten gerne mehr Sex. Zwar behauptet er, zweimal die Woche Sex zu haben aber, Dunkelziffern liegen eher bei zweimal im Monat. Anyway. Alle vier Minuten wandert ein Deutscher aus, was 360 Deutsche am Tag ergibt. Verglichen mit den derzeitigen 3000 bis 4000 Flüchtlingen, die derzeit nach Deutschland wollen, eine überschaubare Zahl. Das kommende Wohnraumproblem behandeln wir hier ebenfalls nicht.

Warum wandern wir also aus, wo doch alle nach Deutschland wollen.

 

Die Beweggründe sind mannigfaltig genau wie unergründbar. Antrieb ist jedoch immer eine Unzufriedenheit mit der bisherigen Situation. Das auf den Kanarischen Inseln insgesamt 30.543 Deutsche wohnen und auf den Balearen 22.120 entspricht einem Anteil von überschaubaren 1,47 bis 2,00% und ist von „Überdeutschung“ weit entfernt.
Die Auswanderer wollen mehr Lebensqualität. Die scheinen sie in Deutschland nicht erlangen zu können. Die meisten Deutschen verwechseln mit Lebensqualität sich jederzeit schöne Dinge kaufen zu können, sich nach 60 Wochenstunden ein 1500.- Euro Wellness Wochenende zu leisten, oder mit der Luxuskarosse über die Flaniermeilen zu gleiten. Der Südländer definiert Lebensqualität ganz anders. Er ist nicht geprägt vom Mantra immer höher, immer weiter, immer mehr. Der Südländer versteht es zu erkennen, wann er genug gearbeitet hat. Hier jedenfalls brauchen viele kein teures Auto oder prunkvolle Villen. Hier lebt man draußen, und vor allem miteinander. Sehr prägnant und angenehm auch, dass hier weniger gewertet wird. Mein Haus, mein Pferd, mein Auto wird nicht ernst genommen. Natürlich ist auch hier eine Richtung zu erkennen, die immer mehr SUV´s auf die Straßen bringt. Wir wollen hier aber nicht Einzelfälle beschreiben sondern einen Einblick vermitteln, wie er sich uns hier nach zehn Jahren La Palma zeigt. Im Vergleich zu den Dingen, die einen in Deutschland um treiben, ist hier am Abend mehr Tag übrig. Und das ist das entscheidende. Und nur wer seine Komfortzone auch mal wissentlich aufgibt, sich auch dem Scheitern stellt, der wird in den meisten Fällen mit einem Gefühl belohnt, wie es in schnell getakteten Metropolen kaum zu finden ist. Natürlich ist La Palma nicht London oder Paris. Auch zu Mailand ist der Abstand groß. Aber bei all der Landflucht die uns proklamiert wird, schießen in den Metropolen Geschäft aus dem Boden, die Ruhe und Langsamkeit versprechen innere Ausgeglichenheit und Seelenfrieden. Workshops für Zeitmanagement würden hier als running Gag Lachkrämpfe erzeugen. In den Metropolen zahlt man für all diese Lebenshilfen viel Geld. Hier haben wir es kostenlos. Umwege erhöhen die Ortskenntnis heißt es. Vielleicht haben sich viele Großstädter bisher einfach nur verfahren.

Gastbeitrag: Was uns auf die Insel trieb

 

 

Weit herumgekommen waren wir nicht in der Welt, einmal auf La Gomera. Das muß damals so im Februar gewesen sein. Dort hatten uns die vollen Orangenbäume imponiert und , ja, da lagen auch welche auf dem Boden herum. Welche Art von Fallobst! Im Februar sieht es in Deutschland anders aus.

Nach La Palma müßt ihr unbedingt, riet uns ein Bekannter in Berlin, da hängen so blaue Dinger am Baum. Schon wieder Früchte, Feigen hatte er wohl gesehen.

Nächster Urlaub, neue Insel: La Palma. Diesmal im März 2005. Die blauen Dinger gab es nicht. Heute wissen wir, auf unserer Finca reifen sie im Spätsommer und im Herbst. Natürlich auch Orangen, Bananen, Khakis, Guaven ect. – Wir sind zwei Jahre später im ländlichen Raum gesiedelt. Die Weichen stellten wir bereits im zweiten Urlaub auf La Palma. Und das nicht nur der Früchte wegen.

Die Insel hat viel Ursprünglichkeit, eine imposante Natur, hohe Berge, welche einem besonders beim Wandern zu schaffen machen, es geht immer bergauf oder bergab. Aber solche Anstrengungen machen richtig happy. Und die Aussichten von weiter oben sind atemraubend. Zum Baden an den schwarzen Strand, oder nur zum Wellen schauen, schließlich haben wir hier einen echten Ozean und da drüben, ganz weit hinten soll Amerika liegen, jawohl.

Das Wetter ist hier moderat. Das fanden wir auch, als wir uns damals ein altes Haus kauften, das wir renovieren und ausbauen wollten. Es hatte ein winziges Bad, dem fehlte das Dach, aber die Sonne schien und das war gut so. Bis es regnete, da zogen wir eine Plane auf, darunter war es mollig. Bis der Sturm mit „winterlichen“ Temperaturen kam und die Plane wegriss. Mein Mann mußte schleunigst ein Bad bauen.

Manchmal schneit es auf La Palma, oben auf den „Rocky´s“. Dann ist dort oben Fiesta, es wird gerodelt, man trifft sich gekleidet in der neusten Wintermode und der Zivilschutz regelt den Verkehr und die Parkmöglichkeiten, damit niemand zu Schaden kommt wegen der Sommerreifen. In Deutschland undenkbar.

Warum wir ausgewandert sind? Deswegen. Und des klaren Sternenhimmels wegen. Wissen Sie wie die Milchstrasse aussieht?

Unser Haus ist inzwischen rundherum fertig. Dort, wo wir damals über Kakteen und Felsen unser Häuschen umrunden mußten, gibt es jetzt Terassen mit Fliesenmosaik, mit einem Küchenblock im Freien. Mein Mann ist vom Fach.

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Er ist schon wieder am Ausbauen, da ist noch ein Stall, den er in ein Apartment verwandeln will…

Text: Carola Fiedler

Warum Auswandern nach La Palma?

Soziales Engagement ohne Grenzen

Wer denkt schon an gesundheitliche Versorgung, in Zeiten von Gesundheit und Wohlbefinden? Klar, eine Krankenversicherung, die hat sicher Jeder, der eine mehr, der andere weniger, doch macht man sich wirklich Gedanken darum, wie es im Falle eines Falles tatsächlich um die medizinische Versorgung bestellt ist?
Bei vielen öffentlichen Veranstaltungen trifft man die fleissigen Helfer des Roten Kreuz „Cruz Roja” an. Kaum jemand weiss, dass diese Menschen ihre Arbeit ehrenamtlich tun, noch weniger, dass die Einsätze aus Spendengeldern finanziert werden.
Etwa 150 freiwillige Helfer betreuen behinderte und ältere Menschen, organisieren Ausflüge, starten Kampagnen zu Themen wie Integration, Aufklärung oder Abfallrecycling und sind bei Events, wie z. B. dem Ultra-Marathon in diesem Sommer im Einsatz.
Ein ganz besonderer Dank gilt ihnen für die Mithilfe bei der Betreuung der evakuierten Menschen, die während des gewaltigen Feuers in diesem Jahr gleich mehrere Tage um ihr Hab und Gut bangen mussten. 24 Stunden rund um die Uhr sorgten sie für die Verpflegung mit Lebensmitteln und psychologische Betreuung der Menschen. All das und vieles mehr ist das „Cruz Roja”.
Mehr zur Arbeit, den aktuellen- auch internationalen Projekten sowie zu Spendemöglichkeiten finden Sie auch im Internet unter: www.cruzroja.es Der Präsident des Roten Kreuz Los Llanos, Juan Alberto Rguez. Nazco möchte in diesem Zusammenhang einen besonderen Dank an Menschen richten, die sich für das Wohl der Menschen hier engagiert haben. So traf im August 2008 ein ganzer Container mit ca. 50 generalüberholten Hilfsmitteln wie Rollstühlen, Gehrollatoren und Gehstöcken in Los Llanos ein.

Initiator dieser besonderen Spende ist Herr Manfred Kessler aus Bremen, der während eines Urlaubs auf La Palma auf einen Mangel an diesen Mitteln aufmerksam wurde. Kurz entschlossen stellte er für 14 Tage die Werkstatt inkl. Angestellter seines Autohauses zur Aufarbeitung gebrauchter Hilfmittel zur Verfügung. Anschliessend wurde die gesamte Lieferung durch die, ebenfalls in Bremen ansässige Containergesellschaft Hellmann-Transport nach La Palma befördert. Der gesamte Spendenweg fand kostenlos statt.
Ein weiterer Dank gilt Herrn Mayrle, der einen „sprechenden” Fibrillator” spendete, ein Beatmungsgerät, welches die genaue Handhabung per Sprache ausgibt.
Und ebenfalls an dieser Stelle ein herzlicher Dank an eine Frau, welche viele Jahre auf den Kanaren lebte und dem „Cruz Roja” eine Ambulanz spendete, Ihr zu Ehren trägt diese heute ihren Namen.

Auswandern nach La Palma

Roque de Los Muchachos

Auswandern nach La Palma

Jedes Jahr erwägen viele Besucher unserer schönen Insel, ihren Lebensmittelpunkt ganz nach La Palma zu verlegen, aber wie so etwas anfangen? Wie verkraftet man die Trennung von Familie und Freunden? Findet man hier einen Job?

Do und Rainer Fritzsche aus dem westfälischen Hagen fällten die Entscheidung nach La Palma zu gehen 2007 nach einem zweiwöchigen Urlaub auf der Insel. Zwar hatten sie schon länger über das Auswandern nachgedacht, aber der Aufenthalt hier machte klar: das war das ideale Domizil. Ein Häuschen war dank Internet und reichlich Immobilienmaklern schnell ausfindig gemacht. Beruflich war die Trennung von Deutschland für beide nicht schwierig: Rainer Fritzsche, vormals Theaterdirektor, mittlerweile über 60 Jahre alt und nach einem schweren Schlaganfall vor sechs Jahren früh verrentet, hatte in Deutschland keine beruflichen Verpflichtungen mehr. Dorothe Fritzsche, 47 Jahre alt, hatte sich bereits drei Jahre zuvor als Coach in Deutschland selbstständig gemacht und träumte seitdem einen großen beruflichen Traum: Seminare für Menschen anbieten, die in ihrem Alltag erschöpft und ausgepowert Ruhe und Stille suchen, sich selbst reflektieren wollen und nach Orientierung in ihrem Leben suchen. Das traurige verregnete Deutschland schien dafür nicht der ideale Ort.

Den fand Do Fritzsche auf La Palma: „ Als ich zum ersten Mal auf der Terrasse unseres Hauses stand und sich vor meinen Augen der schier unendliche Blick auf den Ozean öffnete, wusste ich: hier ist der richtige Ort für mein Projekt: mein Seminargarten.“ Fritzsches verkauften ihre Eigentumswohnung in Deutschland, kündigten alle Verträge, Versicherungen und Zeitschriften, verkauften die Hälfte ihres Hausstands und orderten einen Überseecontainer. „Mit sechs Monaten Vorbereitung war unser Zeitplan sicher eher knapp, aber alles klappte wie geschmiert. Sogar einen Teilzeitjob hatte ich schon gefunden, per Internet natürlich.“ Internet macht auch den Kontakt mit Familie und Freunden jederzeit und fast unbegrenzt möglich. „Eigentlich haben uns alle nur beneidet. Sicher hatten wir einige Probleme von vorneherein nicht, andere sollten sich erst nach unserem Umzug ergeben.“ Unerwartet lange dauerte z.B. die Reise des Umzugscontainers, solange machten Fritzsches in ihrem renovierungsbedürftigen Häuschen Hauscamping mit bescheidensten Mitteln: kein Strom, Wasser nur in der Küche. „Nach Sonnenuntergang war der Tag für uns praktisch beendet. Essen bei Kerzenschein, dann ab ins Bett. Die ersten Nächte hier waren lang!“ schmunzelt Do Fritzsche.

Mittlerweile haben sie sich eingerichtet, obwohl die Renovierung lange noch nicht abgeschlossen ist. „Manches dauert hier doch etwas länger“, so Rainer Fritzsche, ein erfahrener Hausrestaurateur. „Hier gibt es nun mal keine großen Baumärkte, dafür aber viele gut sortierte Ferreterias. Aber wer hat was? Das dauert ein wenig, das herauszufinden und vieles muss man erstmal langwierig bestellen. Da braucht es Geduld und Gelassenheit.“ Hilfe hatten Fritzsches nicht nur von deutschen Handwerkern, die auf der Insel zahlreich vertreten sind, sondern vor allem auch von Spaniern. Die Nachbarn liefern per Verlängerungskabel den Strom, der örtliche Ferreteria-Chef erweist sich als „Mann für alle Fälle“.

Spanisch-Kenntnisse? „Sollte man haben,“ meint Do Fritzsche. „Mit dem Lernen habe ich sofort angefangen, als unsere Entscheidung feststand. Mir hat allerdings geholfen, dass ich schon Englisch und Französisch unterrichtet habe. Viele Worte sind ähnlich und die Grammatik ähnelt sehr dem Französischen. Mein Mann allerdings…“ – „…behilft sich mit Italienisch und lernt ansonsten beim Sprechen“ fällt Rainer Fritzsche seiner Frau ins Wort. Nach drei Monaten ist aus einem völlig zugewucherten Grundstück eine gärtnerische Oase geworden, die ihrer Bestimmung als Seminargarten entgegenwächst. „Oft höre ich hier nur die Schreie der Dohlen und irgendwo bellt ein Hund. Die Lichtspiele auf dem Meer sind manchmal geradezu überirdisch schön. Ich bin sicher, hier werden die Menschen, die zu mir kommen, Ruhe finden und Kraft schöpfen.“ Wir wünschen viel Erfolg! (Ausgabe 1 / Sommer 2008)