Gastbeitrag: Warum wieder La Palma?

Damals, vor einem Dutzend Jahren, stellte sich diese Frage eigentlich nicht. Beim Stöbern in Reiseführern in unserer Bücherei wurden wir auf die Kanarischen Inseln aufmerksam und in Unterhaltungen erfuhr man, dass dieser und jener schon einmal dort gewesen sind. Meist war dann aber von Teneriffa die Rede. Die Pläne wurden konkreter und eine der Inseln sollte angeblich ideales Klima und entspannte Erholung in sich vereinen, La Palma. Die Flugzeit war vertretbar und die Preise sehr moderat. Also los!

Wir wurden nicht enttäuscht. Schon der Anflug auf den damals noch kleinen Flughafen ließ erahnen, dass hier die Uhren noch etwas anders gehen würden, als wir das aus dem heimischen Umfeld gewohnt waren. Wir fanden eine Insel vor, deren Einwohner sehr gelassen und gemütlich waren und mit ihrem Auto sogar mitten auf der Straße stehen blieben, um einen kleinen Plausch zu halten. Niemand kam, hupte oder fluchte gar.

Wer auf La Palma nach großen Shopping-Centern sucht, der sucht vergeblich. Vielmehr schlendert man durch die kleinen Gassen und entdeckt dabei die vielen kleinen Läden, die oftmals ein sehr vielseitiges Angebot vorzuweisen haben.

Langweilig wurde es auf La Palma eigentlich nie, weil sie so viele Gesichter zeigte. Nach langer Fahrt über viele Kurven kam man in den grünen Norden. Man traf wenige Autos. Die Straßenführung ließ Abenteuerliches erahnen. Nach einiger Fahrzeit wurde die Straße immer schmaler und die kleinen Holzbalken am Rande verdienen die Bezeichnung „Leitplanke“ aus heutiger Sicht vielleicht nicht. Aber alles passt irgendwie zueinander. Plötzlich steht man vor dem ersten Tunnel. Stockfinster. Man fragt sich, ob man da wirklich hinein fahren soll, aber wenn der erste durchquert ist, sind die weiteren reine Routine.

Ganz anders zeigte sich seinerzeit der Süden der Insel. Der ist eher trocken, oft windig und in den niedrigeren Zonen kaum bewachsen. Diese karge Lavalandschaft ist deswegen aber nicht weniger reizvoll oder gar uninteressant. Im Gegenteil! Auf der unteren Straße, die eine Zeit lang fast auf Meereshöhe dem Küstenverlauf folgt, gelangt man zum Princess-Hotel, zum Leuchtturm und den Salinen von Fuencaliente. Der Ort, dem sie ihren Namen verdanken, liegt oberhalb in geringer Entfernung.

Ebenso langsam, wie das Wasser verdunstet und sein weißes Gold hergibt, scheint hier auch das Leben zu verlaufen. Da passte der Esel, der damals vor uns auf dem Zebrastreifen die Straße überquerte ganz genau in das Bild. Mir kommt immer noch ein Schmunzeln ins Gesicht, wenn ich an dieses Bild zurück denke.

Ein paar ältere Männer saßen vor den Bars und ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Wir hatten auch angehalten und genehmigten uns ein Bocadillo und einen Cafe con Leche. Das Bestellte kam ohne große Worte und ziemlich wenig Freundlichkeit auf den Tisch. Da war nichts von dieser in den deutschen Landen anzutreffenden „Kriechermentalität“, auf die manche Leute aber einfach nicht verzichten wollen. Ob sie dieses künstliche Getue mit den gewohnten Floskeln, wie „Was können wir für Sie tun“ und „Was darf es sein?“ wohl mit Gastfreundlichkeit verwechseln. Wer weiß?

Die Inselhauptstadt Santa Cruz hat von ihrem Reiz nichts eingebüßt und ist wegen der architektonischen Sehenswürdigkeiten besonders interessant. Alles erscheint hier als Ensemble stimmig. Dem gegenüber möchte man den Stil von Los Llanos – der heimlichen Hauptstadt der Westseite der Insel – eher als zusammengewürfelt bezeichnen. Man findet die Mischung aus alten Pajeros neben kantigen Klotzbauten aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und dazwischen wunderschön anzusehende Colonialhäuser.

Insgesamt war der Urlaub vor 12 Jahren sehr erholsam und stressfrei. Um sich ausschliesslich an den Strand in die Sonne zu legen, dazu war die Insel eher ungeeignet, obwohl es schöne Strände gibt. Und wer das turbulente Nachtleben sucht, sollte sicher ein anderes Reiseziel buchen.

Nachdem nun mehr als ein Jahrzehnt vergangen ist, trieb uns die Neugier wieder auf die Insel. Die Frage war: Wie mag es dort jetzt aussehen und ist der hektische Alltag auch dort angekommen?

Wie nicht anders zu erwarten, hat sich einiges verändert. Man kommt jetzt auf einem neuen Flughafen an, dessen nüchterne Kühle nichts mehr von der ehemaligen Gemütlichkeit hat. Aber, was soll´s? Stillstand will schließlich auch niemand und Fortschritt muss ja nicht gleichzeitig den Verlust der inseleigenen Identität mit ihren Lebensgewohnheiten bedeuten.

Es ist auch nur eine Sache kurzer Eingewöhnung, bis man sich an die neue Beschilderung gewöhnt hat und nach ein paar hundert Metern auf der Straße kommt alles recht vertraut vor. Pläne, was man unbedingt wieder besuchen möchte oder wohin man will, sind schnell geschmiedet.

Aber eines fiel doch sofort auf. Was ist aus dem damals immer gleichen wunderschönen Wetter geworden? Haben wir nur ein paar „falsche Tage“ erwischt, oder hat sich der Klimawandel bis hierher durchgesetzt? Das Wetter war nun bei Ankunft bescheiden schön mit dicken Wolken und leichtem Nieselregen. Doch der Blick durch den Cumbre-Tunnel in Richtung Westen ließ erahnen, dass auf jener Seite der Insel die Sonne scheint. Daran hatten wir uns oft erinnert und das wie eine Selbstverständlichkeit auch erwartet. Natürlich gibt es auch hier mal verregnete Tage.

Wenn man mit offenen Augen über die Insel fährt, findet man überall Modernisierungen und Bemühungen, sich auf die Anforderungen, die der Tourismus mit sich bringt, zukunftssicher einzustellen. Vor El Paso gibt es nun einen Kreisverkehr und der Service und die allgemeine Freundlichkeit den Kunden gegenüber sind spürbar verbessert. Man muss auch nicht mehr umständlich in seinem spärlichen spanischen Wortschatz kramen, um sich verständlich zu machen.

In den Touristeninformationen arbeitet mehrsprachiges Personal und wer auf Mc.Donald´s oder Lidl nicht verzichten kann, findet sogar diese Einrichtungen nun vor.

An den Badestränden sind Rettungsschwimmer tätig und Duschen, um das Salzwasser los zu werden und Umkleidekabinen sind entweder vorhanden, im Bau oder in Planung, wie man uns auf Nachfrage versicherte.

Santa Cruz ist eine riesige Baustelle. Dort soll aus dem großen Parkplatz am Meer ein neuer Stadtstrand entstehen. Leider wirkt dadurch zurzeit die Avenida Maritima mit den schönen Cafés nicht besonders einladend.

Wollen wir hoffen, dass wir in zwei, drei Jahren die Ergebnisse aller Anstrengungen in Augenschein nehmen können, denn eines ist sicher, nämlich, dass wir auf jeden Fall wiederkommen wollen und dass nicht wieder ein Jahrzehnt vergehen soll, bis es soweit ist.

Text: Josef May

Gastbeitrag: Kritische Gedanken von La Palma Liebhabern

La Palma Urlaub

 

Wir lernten sie 2010 auf einer Kreuzfahrt kennen, die „La Isla Bonita verde“, die schöne grüne Insel, eine der kleineren Schwestern der Kanaren – La Palma. Wir waren entzückt von der Hauptstadt Santa Cruz, die uns sehr gemütlich und harmonisch vorkam, anders als Santa Cruz de Teneriffe, anders als Las Palma de Gran Canaria.

Wir kamen im Februar und November 2011 wieder. Wir waren begeistert, so hatten wir uns unseren Urlaub vorgestellt. Das Wetter wie in Deutschland im Frühsommer, von allem etwas. Fast beständigen Sonnenschein auf der Westseite, wunderbare Badenachmittage in Puerto de Tazacorte und Porto Naos. Wanderungen in der Cumbrecita, auf dem Roque de los Muchachos, zur Priatenbucht und viele andere mehr.

Schon die Ankunft im Feburar 2011 auf dem kleinen Flughafen in Santa Cruz bei 24 Grad am 1. Februar war ein Genuß – keine Warteschlange, Aussteigen auf dem Rollfeld, ein kurzer Gang in die Ankunftshalle, ein Kofferband, kurze Wege zur Leihwagenstation – aber doch schon im Hintergrund rege Bautätigket auf dem Flughafengelände.

Im November sah es schon etwas anders aus. Ein Bus fuhr vom Rollfeld zur Abfertigungshalle, die schon damals eine Nummer zu groß wirkte. Viele Abfertigungschalter waren entstanden, aber nur einer in Betrieb. Eine kleine Cafeteria mit Blick auf die Start- und Landebahn vertrieb die Zeit bis zum Abflug und im Hintergrund immer noch rege Bautätigkeit. Wo wollten die Palmeros wohl hin mit Ihrem Terminal?

Egal, die kleine grüne Insel zeigte immer noch ihr frisches, junges Gesicht. Wir genossen die Wochen mit weiteren Erkundungen und waren angetan von der Freundlichkeit der Einheimischen, der Rücksicht im Straßenverkehr und den wenigen, aber guten Lokalen.

Als wir 2013 anreisten, war der neue Terminal fertig. Ein gigantischer Flughafen mit insgesamt acht Ebenen mit einer Gesamtfläche etwa 95.000 m². Im obersten Stockwerk befinden sich diverse Geschäfte und Restaurants sowie der Abflugbereich. In der mittleren Ebene befindet sich der Ankunftsbereich, dessen Gepäckausgabe über fünf Gepäckbänder verfügt. Ebenfalls auf dieser Ebene sind 24 Check-in-Schalter, sehr viele (leerstehenden) Geschäfte, ein Bistro, das wie auf einer halbfertigen Baustelle wirkte. 1 Schalter hatte geöffnet! Die unteren Ebenen bilden ein zweistöckiges Parkhaus.

Das Investitionsvolumen betrug 103,9 Millionen Euro. Der Bau des neuen Terminalbereichs des Flughafens La Palma wurde mit der finanziellen Unterstützung des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (FEDER) der EU durchgeführt.

Im November 2014 zeigte sich ein neuer Komfort, durch „Finger“ gelangt man jetzt in und aus dem Flugzeug, leider können sich die Bediener dieser sog. „Finger“ nicht entscheiden, an welcher Flugzeugtür sie andocken sollen. Dadurch Verzögerung beim Aussteigen bis zu 20 Minuten. Man mußte sich erst einigen, wo angedockt wird.

Was nützen auch die vielen Gepäckbänder, wenn die Abfertigung dennoch äußert schleppend vor sich geht. Man kann gut beobachten, wie langsam die Gepäckwagen beladen und zum Gepäckband transportiert werden. – Palmerische Lebensart –

Nun kommen wir zum 2. Monumentalbau: Die Hafenanlagen in Puerto Tazacorte

Ich habe diesen Artikel aus Wikipedia übernommen, da er am besten den Wahnsinn des Hafens von Tazacorte darstellt.

„Im Rahmen des EU-Programms für die Kanarischen Inseln wurde der Hafen von Tazacorte in den Jahren 2000 bis 2006 mit Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 8,2 Millionen Euro mit einer 176 Meter lange Hafenmauer versehen. In einem zweiten Bauabschnitt von 2007 bis 2013 wurde eine zweite Hafenschutzmauer mit einer Länge von 400 Metern, bei Gesamtkosten in Höhe von 54 Millionen Euro und einem EU-Förderbeitrag von 27 Millionen Euro, errichtet.

Als Begründung für den zweiten Bauabschnitt wurde angeführt: „Wegen schlechter Witterungsbedingungen war der Hafen nach Abschluss der Bauarbeiten nur eingeschränkt funktionsfähig. Daraufhin wurde der Bau eines zusätzlichen Damms zum Schutz des Hafens und zur Erweiterung der Gewerbezone beschlossen.“

Der Hauptzweck des Hafenausbaus von Tazacorte bestand gemäß einer Mitteilung des Petitionsausschusses des Europäischen Parlamentes in der Entfaltung von Wirtschaftstätigkeit als Beitrag zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von 25 Prozent. Insbesondere sollte der Export der auf der Insel angebauten Bananen, die nur aufgrund von EU-Subventionen wettbewerbsfähig sind, gefördert werden. Mit der Hafenerweiterung könnten auch neue Verkehrsverbindungen zwischen Tazacorte und den Inseln La Gomera und El Hierro geschaffen werden. Bisherige Versuche, Fährverbindungen zu den Nachbarinseln aufzubauen und Kreuzfahrtschiffe anzuziehen, missglückten jedoch.

Die EU kritisierte 2012 den überdimensionierten, nur teilweise genehmigten Hafenausbau aus EFRE-Mitteln.“

Nun der „Höhepunkt“: Die Erschließung des Tubo in Todoque entnommen aus einem Artikel „Wandern in La Palma“:

„Neueste Nachricht von der Vulkanhöhle Todoque“

Im Bereich der Vulkanhöhle Todoque wird ein Besucherzentrum gebaut. Mit den Bauarbeiten wurde bereits begonnen. Es stehen laut Cabildo 1,8 Millionen €uro zur Verfügung, die von der EU und vom spanischen Staat finanziert werden. Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen neue touristische Attraktionen auf La Palma zu schaffen. Ob dafür so viel Geld in Zeiten der Wirtschaftskrise in die Hand genommen werden muss, darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Sicher gäbe es auf La Palma sinnvollere vor allem nachhaltigere Projekte, die auch langfristige Arbeitsplätze schaffen würden.

Es bleibt zu hoffen das, dass Bauvorhaben “Besucherzentrum Tubo de volcánico Todoque” schnellst möglich beendet wird und sich nicht in die vielen
unvollendete Bauvorhaben auf La Palma einreiht.“

Es wird sich einreihen, das ist meine feste Überzeugung. Und ein riesiges Areal von natürlicher Lavalandschaft wird zerstört. Man wundert sich, dass die einheimischen Bewohner ob solch einem Vorhaben nicht auf die Barrikaden gehen.

Was wird uns nächstes Jahr erwarten? Wir sind sehr gespannt und hoffen das Beste für diese wunderschöne Insel, für die es sich lohnen würde, so zu bleiben wie sie ist: Ein Kleinod im Atlantik.

Text: Hannelore Langer-Lausmann