Charmantes und weniger Charmantes

Klick Klack, Klick Klack, kennen sie das auch? Täglich mehrere Male kann man es auf La Palma genießen, dieses rhythmische Tonspiel aneinander schlagender Metalldeckel oder Regenroste, eine Art „Hallo-wach“ für alle. Ich frage mich allerdings allen Ernstes, wie halten die Bewohner unmittelbar an den Strassen das aus – unglaublich. Ich meine diese ständig klappernden Wasserabläufe, Gullydeckel und Unelco Serviceschächte. Da fliegt die Menschheit zum Mond, kann bereits Lebewesen klonen und Tomaten Gen manipulieren, damit sie groß wie Fußbälle sind und nach so gar nichts mehr schmecken, aber einen ganz harmlosen, nur ruhig daliegen wollenden Metalldeckel bekommt sie nicht hin. Gut, ich weiß, der Palmero an sich ist von recht lauter Natur, meines Wissens sind die Spanier sogar die zweit lauteste Gesellschaft nach den Japanern. Aber funktioniert er nicht wie jeder andere Mensch auch? Erfreut er sich nicht auch an einer gewissen Ruhe, wenn er Feierabend hat.

Ein wenig irritiert sind wir allerdings davon, dass ein lieber palmerischer Freund so gar nicht in das Bild passen will. Er spricht leise, man kann sich mit ihm auf der Strasse unterhalten, ohne dass die ganze Stadt weiß, wie es um ihre Befindlichkeit bestellt ist – sehr angenehm. Ein anderer Bekannter wiederum, beschallt die ganze Plaza, wenn er sich mit ihnen unterhält. Somit ist Lautstärke relativ. Aber das wissen wir ja spätestens seit Einstein.

Oder, ein anderes Beispiel.

Haben sie bereits einmal versucht, einen Telefonanschluss bei der Telefonica, wo möglich noch mit ADSL zu beantragen? Na prost Mahlzeit. Wenngleich meine Erfahrung mit der Telefonica durchaus auch sehr lustige Seiten zu Tage trägt. Wir beantragten eine Telefonlinie und ADSL und warteten erst einmal ab. Kennt man ja. Dann, nach mehreren Wochen der Versuch, einen Ortstermin zu vereinbaren. Irgendwann klappte auch das. Der freundliche Techniker sah sich kurz auf dem Gelände um, sah den Mast, sagte: „kein Problem“ (im Übrigen eine tief verwurzelte Philosophie des Palmero „kein Problem“). Er entledigte sich einer 250 Meter Rolle Telefonkabel mit den Worten, wenn es verlegt sei, kommt jemand und schließt das Kabel an. Noch heute amüsiert mich diese charmante und flexibele Vorgehensweise und entlockt mir ein Schmunzeln. Schade ist nur, dass wir immer noch kein Telefon haben. Jetzt ist es nämlich doch ein Problem. Die Telefonica sagt nun, keine Möglichkeit, dort Telefon zu legen, es gäbe plötzlich keine freie Nummer. Muss man leiden mögen und Toleranz üben!

Oder kennen sie den?

Versucht eine Gemeinde eine Ampel aufzubauen. Die alte Cuesta ist nun wirklich langsam zu schmal für die immer breiter werdenden Autos. Was liegt also näher, als die Enge mittels einer Ampelregelung zu steuern. Ich glaube bemerkt zu haben, dass die Elektrik und die Mastsetzung schon im Jahre 2007 erfolgten. Nun, wir schreiben heute das Jahr 2009 und von Ampellichtern keine Spur. Wer sich diesem Charme der hiesigen Gepflogenheiten hingibt, bekommt etwas Wertvolles als Gegenleistung. Eine Art inneren Kompass dafür, was wir Menschen wirklich von Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden haben.
Also, bleiben sie entspannt, denn auf der anderen Seite ist der menschliche Umgang hier sehr entspannt und angenehm, dass man vieles mit einem Lächeln ertragen kann.

La Palma Wandern: Romantische Pfade des Nordens

Gemütliche Wanderung für Einsteiger durch Drachenbaumhaine zu den Cuevas de Buracas

drachenbaum-bei-buracas

Direkt an der Kirche von Las Tricias nahe Puntagorda, gleich am Ortseingang, beginnt unsere Wanderung. Ein unübersehbares Schild weist den Weg.
Wie bei allen Wanderungen auf La Palma ist festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung ratsam. Die mit Blumen umsäumten Pfade sind größtenteils befestigt, zum Teil jedoch recht steil, so dass Trittsicherheit gefragt ist.
Es lohnt sich, zeitig aufzubrechen, um die atemberaubende Natur in aller Stille und ganz für sich zu genießen.
Von der Kirche aus führt der Weg zunächst durch private Gärten abwärts und trifft nach ca. 5 Min. auf eine Wegkreuzung. Hier biegen wir nach rechts auf den breiten, gepflasterten Weg ein und erreichen kurz darauf wieder die Straße. Dieser folgen wir für ca. 200 Meter und gehen in einer Rechtskurve weiter geradeaus in einen breiten, gepflasterten Weg, welcher mit einem Wegweiser gekennzeichnet ist. Diesem Wanderpfad folgen wir nun immer weiter bergab, queren noch einige Male die Straße und werden später von einem Holzschild mit der Aufschrift “La Traviesa” geleitet.

Immer wieder halten wir inne, um den traumhaften Ausblick über die tiefen Barrancos mit den sich darin einbettenden Gehöften zu genießen und den Geräuschen der Natur zu lauschen. Auf einer Geländekuppe entdecken wir eine alte Gofiomühle. Weiter abwärts bringt uns der idyllische Weg zu den riesigen Drachenbäumen und es scheint als tauchen wir in eine andere, fast mystische Welt ein. Jeden Augenblick möchte man mit der Kamera einfangen, doch das Wetter ist dafür Heute leider nicht geeignet. Nun denn, wichtig sind die Bilder, die wir in unseren Köpfen bewahren.
Nach ca. 1 Stunde erreichen wir schließlich unser Ziel, die Höhlen Cuevas de Buracas und entdecken sogleich auch die Felsmalereien der Ureinwohner.
Der Rückweg bergauf ist etwas beschwerlicher und dauert daher etwa eine halbe Stunde länger. Da es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt, sollten Getränke mitgenommen werden.

Gehzeiten: Wanderung abwärts zu den Cuevas de Buracas ca. 1 Stunde, Rückweg ca. 1,5 Stunden, Gesamtzeit: ca. 2,5 Stunden, bei gemütlichem Tempo
Höhenunterschied: ca. 300 m

Besuch im Seidenmuseum

Seide

Etwas versteckt, aber mitten im Herzen der Altstadt von El Paso liegt das kleine aber feine Seidenmuseum. In dem traditionsreichen Gebäude, das mit kundiger Hand und behutsam renoviert worden ist, kann der Besucher einen Blick in die Vergangenheit der Insel tun. Seit dem 17. Jahrhundert war die Produktion und Verarbeitung auf der Insel Hauptwirtschaftszweig, daran soll das Museum erinnern.

Mit viel Liebe zum Detail kann der Besucher sich hier über alle Stationen der Seidenproduktion und Verarbeitung ein lebensnahes Bild machen. Gleich im Eingangsbereich ringeln sich in einem Körbchen Seidenraupen auf grünen Blättern. Sie produzieren den edlen Stoff, aus dem so mancher textiler Traum gewebt ist. Gleich daneben findet sich ein Körbchen mit Kokons, in denen es noch lebt und in einem weiteren Korb kann man dann die fertigen Seidenkokons sehen.

Aus der abgewickelten Rohseide entstehen zunächst fluffige, seidenweiche (was auch sonst) Bällchen, die dann zu Fäden versponnen werden. Das übrigens kann der Besucher in Aktion sehen, denn einige freundliche Frauen zeigen die verschiedenen Verarbeitungsstufen live. Da drehen sich merkwürdig anmutende Spinnräder und von der Decke hängen Spindeln, die von regen Händen in Drehung versetzt werden, damit der Seidenfaden fester wird. Gefärbt wird mit allerlei Pflanzenfarben, darunter mit dem Saft der Cochinelle-Laus, die auf den heimischen Kakteen unterwegs ist und deren Zucht in früheren Zeiten ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftszweig war. An Webstühlen kann man dann den Damen bei der Arbeit zuschauen und bewundern, wie ein feines Seidentuch entsteht. Gerne kann der Besucher auch selbst an einem der Webstühle Platz nehmen und auf das vielfältige Gewirr der Fäden und Schiffchen schauen und dem Knarzen des uralten Holzes lauschen.

Erläuterungen zu den Abläufen der Seideproduktion kann man auf Schautafeln nachlesen, wenn man des Spanischen mächtig ist. Falls nicht, erklärt eine freundliche Mitarbeiterin gerne auch auf deutsch, was es zu wissen gibt. Im Foyer werden, in Schaukästen ersichtlich, die fertigen Kostbarkeiten schließlich zum Kauf angeboten und nachdem man nun auch erfahren hat, wieviel Arbeit hinter jedem einzelnen Stück steckt, ist auch der Preis sicher angemessen.
Auf Nachfrage erfahren wir, dass auftragsweise auch Heute exquisite Schals, Tücher und Krawatten in alter Handwerkstradition und Qualität gefertigt werden. Ein solches Souvenir hat Seltenheitswert und ist etwas ganz Besonderes. Insgesamt ein lohnenswerter Besuch. (Ausgabe 1 / Sommer 2008)