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Pauker; Pennäler und kein Pisa..

Nov 20, 08 • Leben auf / Vivir en La PalmaKommentare deaktiviertRead More »

Das Schulsystem in Spanien

schule

Die Schulbänke sind wohl überall auf der Welt gleich hart, auch auf La Palma gibt es diese nicht gepolstert oder mit Erfolgsgarantie versehen. Auch in Spanien ist Bildung „Ländersache“, oder wie hier, Angelegenheit der Provinz. Oberste Behörde ist die „Consejería de Educación, Universidades, Cultura y Deportes”, die aufgeteilt zwischen den Hauptstädten der beiden kapitalinen Inseln Tenerife und Gran Canaria ihre Dependancen unterhält. Das Schulsystem kennt auf den verschiedenen Inseln keine Unterschiede, die ergeben sich lediglich durch die wenigen Privatschulen, die aber quantitativ nur eine kleine Rolle spielen. Auf La Palma gibt es deren zwei, das „CPEIPS Sagrada Familia”, im Volksmund aber „Colegio Nazaret” genannt und das „CPEIPS Santo Domingo De Guzman” in der Hauptstadt Santa Cruz. Beide dieser Schulen sind katholisch orientiert und werden von der Kirche unterstützt, die Lehrkräfte selbst sind aber bis auf wenige Ausnahmen weltlich orientiert. Den ehemaligen Nimbus als Elite-Schulen haben die beiden Zentren längst abgelegt, zumal die öffentlichen Einrichtungen deutlich modernisiert wurden und der Noten- und Leistungsdurchschnitt in den nicht privaten Schulen inzwischen meist höher liegt. Darüber hinaus gibt es eine kleine Waldorf-Initiative, die allerdings nur die Unterstufenklassen bedient.

Die Benotung der schulischen Leistungen erfolgt anhand einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 die niedrigste und 10 die höchste Einstufung ist. Ab der Note 5 gilt der Wert als ausreichend, wer darunter liegt, hat nicht bestanden. In den höheren Klassen wird minuziös auch der Wert hinter dem Komma beachtet, was besonders vor der Hochschulreife wichtig sein kann, um eventuelle Zulassungsbeschränkungen für die Universität zu umgehen. Grundsätzlich unterscheidet sich das spanische Schulangebot vom deutschen durch den Verzicht auf mehrgleisige Bildungssysteme. Die, leider oft deklassierende Einstufung in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium kennen wir nicht, hier gibt es eine Linie, die man eben je nach Begabung oder Engagement der Schüler wie der Eltern begehen kann. Dazu werden in den oberen Klassen Förderkurse angeboten, um spezielle Problemfälle unterstützen, dennoch scheiden immer noch bis zu 20% der Schüler vorzeitig aus und vollenden eben gerade nur die obligatorischen Jahre.

Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und endet 10 Klassen später mit 16 Jahren, was im besten Falle dann die 10. Jahrgangsstufe bedeutet. Die meisten Kinder auf La Palma gehen schon früher in die Schule, oft bereits mit 3 Jahren, alle „Primarias” (Grundschulen) bieten 3 „Ciclos preescolares” (Vorschulgruppen) an, die gerne angenommen werden. Öffentliche Kindergärten gibt es nicht, nur städtische Krippen, aber gerade in kleinen Gemeinden fehlen diese häufig und so übernehmen die Schulen diese Aufgabe. Die Vorschulklassen werden zusammen mit den Grundschulklassen unterrichtet, das beinhaltet wohl auch schon disziplinären Geist, es findet aber noch keine Benotung statt. Der „ernsthafte” Schulzyklus, auch hier beginnend als „Erste Klasse” betitelt, findet auf den Schulen der „CEIP” (Colegio de Educación Infantil y Primaria) statt und endet mit der sechsten Klasse. Danach wechseln die Kinder auf die „Institutos” des zweiten und auch bereits letzten schulischen Zyklus, der auf diesen Schulen bis hin zur Hochschulreife führt.

Diese Schulen heißen „Instituto de Educación Secundaria” und unterteilen sich in die vier Pflichtjahre der „ESO” (Educación Secundaria Obligatorio) und die, im besten Falle zwei Jahre der „Bachillerato” Kurse, die somit der Oberstufe oder der 11. und 12. Klasse entsprechen. Für die Universitätszulassung reicht das aber noch nicht, dazu müssen die Schüler noch die „PAU” (Pruebas de Acceso a la Universidad) Prüfung zur Erlangung der Hochschulreife ablegen, welche dann nicht in den einzelnen Schulen stattfinden, sondern gesammelt in der Hauptstadt Santa Cruz. Diese Prüfung findet direkt im Anschluss an die bestandene zweite Bachillerato-Klasse statt und die Erfolgsquote liegt dabei kanarenweit an die 80%. Damit kann man an allen Universitäten studieren, allerdings gibt es auch in Spanien eine Art „Numerus Clausus” für bestimme Studienfächer, so dass der Notendurchschnitt auch entscheidend ist.

Auf den Kanaren gibt es zwei Universitäten, eine eher technisch orientierte Hochschule in Las Palmas de Gran Canaria und die größere der kanarischen Universitäten, in La Laguna auf Tenerife. Dabei darf man ruhig noch einfügen, La Palma ist die Kanarische Insel mit den meisten Studenten auf die Einwohnerzahl bezogen und diesen Rekord halten wir nun bereits im 10. Jahr hintereinander. Allerdings muss man dazu auch betonen, dass die allermeisten jungen Menschen aus La Palma nach ihrem Hochschulstudium, nicht mehr zur Arbeit nach La Palma zurückkehren, es mangelt an besser dotierten Stellen auf der Insel und an interessanten Aufstiegschancen, so dass man hier auf der Insel wohl von einem Akademikermangel sprechen muss.

Nach vielen Jahren des Ausbaus und der Verbesserung des Schulsystems hier auf den Kanaren, welches durchaus mitteleuropäischen Standard besitzt, darf man in den letzten Jahren allerdings einen zunehmenden Spardrang seitens der Provinzregierung feststellen, welche die Bildungsaufgabe wohl nur noch protokollarisch als prioritäres Ziel ansieht. Eine würdelose Bestätigung dafür werten wir in der Aussage der kanarischen Schulbehörde, dass man nicht an der „Pisa-Studie” teilnehmen werde, da es niemand von außen etwas anginge, was unsere Kinder hier lernen. Auf lange Sicht und in unserem immer stärker von globaler Konkurrenz geprägten Karrieresystem, sicher keine intelligente Entscheidung, eine Standortbestimmung auf solch großem Rahmen abzulehnen. (Mathias Siebold)

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