| |
Der Inselbesucher kommt nicht zuletzt des Klimas wegen auf die Insel
und wer nur in der Sonne „rösten“ möchte,
ist hier eher fehl am Platze.
Den Reiz der Insel macht zum großen Teil das warm-gemäßigte
Klima aus. Eigentlich müsste man etwas anderes erwarten, wenn
man die Lage der Insel auf dem Globus betrachtet.
Dieses, als angenehm empfundene Klima, hat mehrere Ursachen. La Palma
ist die zweit-westlichste Insel der Kanaren, die durch die relativ
kühle Meeresströmung des Kanarenstromes aus dem Nordosten
kommend, berührt wird.
Diese Strömung hat im Sommer etwa 22 Grad Celsius und bewirkt,
dass die Lufttemperaturen zu dieser Jahreszeit relativ kühl
bleiben. Selbst im Winter hat dieser Meeresstrom aber immerhin noch
etwa 18 Grad Celsius, was die Temperaturen als angenehm empfinden
lässt.
Das Wetter auf La Palma wird weiterhin durch die Lage der Insel zu
dem so genannten Azorenhoch und den Passatwind bestimmt. Der Passat
kommt in diesen Breiten gleichmäßig aus Nordosten und
trifft auf die bis zu 2426 Meter aus dem Meer heraus ragende Insel.
Er weht dabei überwiegend mit der Stärke 4.
Aber, was ist der Passat, wie entsteht er und wie beeinflusst er
das Klima auf der Insel?
Die Zirkulation des Passats nimmt ihren Anfang am Äquator, wo
die Sonne die Luft am stärksten erwärmt. Diese Luftmassen
steigen auf und fließen nach Norden und Süden in Richtung
der Pole bei gleichzeitiger Abkühlung. Das geschieht in einer
Höhe zwischen 12 und 15 Kilometern. Etwa im Bereich des dreißigsten
Breitengrades sinken sie unter weiterer Abkühlung herab. Die
gleichzeitige Drehung der Erde bewirkt, dass die Luftströmungen
nicht wieder direkt zum Äquator fließen, sondern auf der
Nordhalbkugel aus nordöstlicher Richtung und auf der Südhalbkugel
aus südöstlicher Richtung wehen.
La Palma liegt geografisch zwischen dem 27. und 30. nördlichen
Breitengrad und damit im Bereich des Passats.
Die Bezeichnung „Passat“ ist übrigens in dem spanischen
Begriff „pasar“ zu finden, was so viel wie „vorbeigehen“ bedeutet.
In einer Höhe von über 1500 Metern sind diese Winde warm
und trocken. Unter dieser Grenze sind sie feucht
und kühler.
Diese Schichtung wird als Passatinversion bezeichnet. Bleibt diese
Schichtung erhalten, bilden sich kaum Wolken.
Aber dann geschieht es. Der Passat trifft auf
die Insel, die sich mit ihren hohen Bergen der Luftströmung in den Weg stellt.
An den Berghängen, die von der Sonne beschienen werden, stauen
sich die kühleren, feuchteren Luftmassen und erwärmen
sich dabei. Sie müssen aufsteigen und sich dabei abkühlen.
Die mitgeführte Feuchtigkeit kondensiert und es bilden sich
Wolken. Dieses Schauspiel findet in einer Höhe zwischen 600
und 1700 Metern statt. So erklärt sich auch, warum nachts
keine Wolkenbildung stattfindet, jedoch vormittags mit zunehmender
Sonneneinstrahlung und Erwärmung der Berge.
In Reiseführern wird beschrieben, wie man die Auswirkungen
des Passats bei einer Fahrt durch den Cumbre-Tunnel von Santa Cruz
nach Los Llanos erleben kann. Man sieht den dichten Nebel, der
die Sicht immer stärker nimmt, je höher man hinauf kommt.
Das sind die sich stauenden Wolken. Kaum ist man durch den Tunnel,
scheint meist die Sonne und man kann sehen, wie die Wolken über
den Bergkamm quellen und sich auflösen. Dieses Phänomen
wir auch als Wolkenwasserfall bezeichnet und ist ein lohnendes
Fotomotiv.
Der Süden und Südwesten der Insel kommt dabei lediglich
in den Einfluss der warmen trockenen Fallwinde.
Im Winterhalbjahr verschiebt sich die Passatzone
etwas nach Süden,
was zur Folge hat, dass die kanarischen Inseln in den Einfluss
von Tiefausläufern über dem Atlantik gelangen.
Der Norden und Nordosten von La Palma hat reiche Niederschlagsmengen,
während sie zur Westseite hin auf etwa ein Drittel abnehmen.
Damit wird La Palma zur wasserreichsten Insel der Kanaren und trägt
den Beinamen „La Isla verde“ (Die grüne Insel)
zu Recht. Im Winter kann es dabei sogar schneien.
Die Temperaturschwankungen sind, wie schon anfangs erwähnt,
gering. Jedoch sinkt die Temperatur je 100 Meter Höhe um etwa
ein Grad, was man bei der Wahl der Kleidung bei Wanderungen berücksichtigen
sollte. Mitunter erlebt der Besucher auch das Phänomen des „calima“, „levante“ oder „tiempo
del sur“ (Südwind), wie der heiße Wind genannt
wird, der aus der Sahara von Afrika herüber kommend drei-
bis sechstägige Hitzewellen verursacht. Der mitgeführte
rötliche Wüstenstaub macht die Atmosphäre so dunstig,
dass selbst bei wolkenlosem Himmel die Sonne kaum noch zu sehen
ist. Der Besucher sollte sich davon nicht beunruhigen lassen, denn
dieser Spuk geht bald vorüber und das gewohnte Inselleben
nimmt seinen Lauf.
|
|
|