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"Passat" - Der Wind, der das Wetter macht...Nº5 (01/10)   "Wolkenwasserfall über der Cumbre"
     
 


Der Inselbesucher kommt nicht zuletzt des Klimas wegen auf die Insel und wer nur in der Sonne „rösten“ möchte, ist hier eher fehl am Platze.
Den Reiz der Insel macht zum großen Teil das warm-gemäßigte Klima aus. Eigentlich müsste man etwas anderes erwarten, wenn man die Lage der Insel auf dem Globus betrachtet.
Dieses, als angenehm empfundene Klima, hat mehrere Ursachen. La Palma ist die zweit-westlichste Insel der Kanaren, die durch die relativ kühle Meeresströmung des Kanarenstromes aus dem Nordosten kommend, berührt wird.
Diese Strömung hat im Sommer etwa 22 Grad Celsius und bewirkt, dass die Lufttemperaturen zu dieser Jahreszeit relativ kühl bleiben. Selbst im Winter hat dieser Meeresstrom aber immerhin noch etwa 18 Grad Celsius, was die Temperaturen als angenehm empfinden lässt.
Das Wetter auf La Palma wird weiterhin durch die Lage der Insel zu dem so genannten Azorenhoch und den Passatwind bestimmt. Der Passat kommt in diesen Breiten gleichmäßig aus Nordosten und trifft auf die bis zu 2426 Meter aus dem Meer heraus ragende Insel. Er weht dabei überwiegend mit der Stärke 4.
Aber, was ist der Passat, wie entsteht er und wie beeinflusst er das Klima auf der Insel?
Die Zirkulation des Passats nimmt ihren Anfang am Äquator, wo die Sonne die Luft am stärksten erwärmt. Diese Luftmassen steigen auf und fließen nach Norden und Süden in Richtung der Pole bei gleichzeitiger Abkühlung. Das geschieht in einer Höhe zwischen 12 und 15 Kilometern. Etwa im Bereich des dreißigsten Breitengrades sinken sie unter weiterer Abkühlung herab. Die gleichzeitige Drehung der Erde bewirkt, dass die Luftströmungen nicht wieder direkt zum Äquator fließen, sondern auf der Nordhalbkugel aus nordöstlicher Richtung und auf der Südhalbkugel aus südöstlicher Richtung wehen.
La Palma liegt geografisch zwischen dem 27. und 30. nördlichen Breitengrad und damit im Bereich des Passats.
Die Bezeichnung „Passat“ ist übrigens in dem spanischen Begriff „pasar“ zu finden, was so viel wie „vorbeigehen“ bedeutet.
In einer Höhe von über 1500 Metern sind diese Winde warm und trocken. Unter dieser Grenze sind sie feucht und kühler. Diese Schichtung wird als Passatinversion bezeichnet. Bleibt diese Schichtung erhalten, bilden sich kaum Wolken.

Aber dann geschieht es. Der Passat trifft auf die Insel, die sich mit ihren hohen Bergen der Luftströmung in den Weg stellt. An den Berghängen, die von der Sonne beschienen werden, stauen sich die kühleren, feuchteren Luftmassen und erwärmen sich dabei. Sie müssen aufsteigen und sich dabei abkühlen. Die mitgeführte Feuchtigkeit kondensiert und es bilden sich Wolken. Dieses Schauspiel findet in einer Höhe zwischen 600 und 1700 Metern statt. So erklärt sich auch, warum nachts keine Wolkenbildung stattfindet, jedoch vormittags mit zunehmender Sonneneinstrahlung und Erwärmung der Berge.

In Reiseführern wird beschrieben, wie man die Auswirkungen des Passats bei einer Fahrt durch den Cumbre-Tunnel von Santa Cruz nach Los Llanos erleben kann. Man sieht den dichten Nebel, der die Sicht immer stärker nimmt, je höher man hinauf kommt. Das sind die sich stauenden Wolken. Kaum ist man durch den Tunnel, scheint meist die Sonne und man kann sehen, wie die Wolken über den Bergkamm quellen und sich auflösen. Dieses Phänomen wir auch als Wolkenwasserfall bezeichnet und ist ein lohnendes Fotomotiv.
Der Süden und Südwesten der Insel kommt dabei lediglich in den Einfluss der warmen trockenen Fallwinde.

Im Winterhalbjahr verschiebt sich die Passatzone etwas nach Süden, was zur Folge hat, dass die kanarischen Inseln in den Einfluss von Tiefausläufern über dem Atlantik gelangen.
Der Norden und Nordosten von La Palma hat reiche Niederschlagsmengen, während sie zur Westseite hin auf etwa ein Drittel abnehmen. Damit wird La Palma zur wasserreichsten Insel der Kanaren und trägt den Beinamen „La Isla verde“ (Die grüne Insel) zu Recht. Im Winter kann es dabei sogar schneien.
Die Temperaturschwankungen sind, wie schon anfangs erwähnt, gering. Jedoch sinkt die Temperatur je 100 Meter Höhe um etwa ein Grad, was man bei der Wahl der Kleidung bei Wanderungen berücksichtigen sollte. Mitunter erlebt der Besucher auch das Phänomen des „calima“, „levante“ oder „tiempo del sur“ (Südwind), wie der heiße Wind genannt wird, der aus der Sahara von Afrika herüber kommend drei- bis sechstägige Hitzewellen verursacht. Der mitgeführte rötliche Wüstenstaub macht die Atmosphäre so dunstig, dass selbst bei wolkenlosem Himmel die Sonne kaum noch zu sehen ist. Der Besucher sollte sich davon nicht beunruhigen lassen, denn dieser Spuk geht bald vorüber und das gewohnte Inselleben nimmt seinen Lauf.