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Madrid genehmigt die Suche nach Erdöl vor den Kanaren

Sep 17, 14 • Natur / Naturaleza, NewsKommentare deaktiviertRead More »

Urlauber lieben die Kanaren, mehr als 10 Mio Touristen reisen Jahr für Jahr auf das spanische Archipel und schaffen damit mehr als 300.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Die Inselgruppe besticht durch ihre landschaftliche Vielfalt, ein ganzjährig mildes Klima und eine artenreiche Natur. Nicht umsonst wurden die Inseln von der UNESCO zum Naturerbe erklärt.

All dies scheint jedoch gegen die finanziellen Interessen einiger weniger keine Rolle zu spielen, denn kürzlich genehmigte die spanische Regierung trotz aller landesweiten Proteste und berechtigten Bedenken die Erdölsuche zwischen den Kanaren und der marokkanischen Küste.
Anfang des Jahres 2014 hatte das schottische Unternehmen Cairn Energy bereits nur 80 km südöstlich der Kanaren in marokkanischen Gewässern Erdöl gefunden.

Laut Genehmigung dürfen nur etwa 50 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura drei Probebohrungen bis zu einer Tiefe von fast 7000 Metern durchgeführt werden. Neben dem spanischen Ölkonzern Repsol beteiligen sich an diesem Projekt die australische Woodside Energy und der deutsche Konzern RWE.
Repsol-Chef Antonio Brufau hatte angekündigt, die Probebohrungen noch im letzten Quartal 2014 zu beginnen. Der selbst von den Kanaren stammende Industrieminister Soria hatte erklärt, Spanien könne sich nicht leisten, auf eine Erdölsuche zu verzichten und betonte, dass alle Einwände geprüft wurden. Das Land bezieht sein Mineralöl derzeit zu 99 Prozent aus dem Ausland.
Es gibt seitens Repsol fadenscheinige Versprechen über 3500 bis sogar 5000 entstehende Arbeitsplätze auf den Kanaren, was zu bezweifeln ist, denn das Unternehmen beschäftigt weltweit gerade 25.000 Mitarbeiter. Ebenso bleibt fraglich, inwieweit sich für die Kanaren einen wirtschaftlicher Gewinn durch eine eventuelle Ölförderung ergeben soll, denn die Fördergesellschaft bezahlt für gefördertes Öl an den spanischen Staat zunächst keinerlei Steuern. Lediglich das in Spanien nach der Verarbeitung verkaufte Öl muss versteuert werden.

Die Kanaren kämpfen weiter um den Stopp der Ölsuche

Gerade die östlichen Inseln des kanarischen Archipels sind auf die Entsalzung der Meerwassers angewiesen, um ihren Trinkwasserbedarf zu decken und alle Inseln leben zu einem erheblichen Teil vom Tourismus. Eine Ölpest hätte fatale Folgen für die Bewohner und die einzigartige Natur und Artenvielfalt der Kanaren.
Die Regionalregierung der Inselgruppe und Umweltschützer sehen in dem Vorhaben erhebliche Gefahren und nicht absehbare Folgen für die Kanarischen Inseln. Seit Monaten gehen die Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen das Vorhaben, leider erfolglos. Als letzte Möglichkeit versucht man nun seitens der Kanarischen Regierung die Genehmigung vor spanischen und europäischen Gerichten anzufechten. Bis dahin will die Regierung der Kanaren eine einstweilige Verfügung erwirken, um die Probebohrungen noch zu stoppen.
Bis spätestens 30. November dieses Jahres will man in der Autonomen Region der Kanaren ein Referendum über die Bohrungen von Repsol vor Fuerteventura und Lanzarote abhalten.
Auf der Website www.savecanarias.org werden Unterschriften gesammelt.

Madrid knüpft fragwürdige Bedingungen an die erteilte Genehmigung

Madrid knüpft an die erteilte Genehmigung zur Entnahme der Proben eine Reihe von Bedingungen. So würde man die Bohrungen sofort stoppen, sollte es im Umkreis von 75 Kilometern zu einem Erdbeben einer Stärke über 4,5 kommen oder sich Gefahren für die Umwelt ergeben. Zur Behebung eventueller Schäden durch einen Zwischenfall soll Repsol Sicherheiten in Höhe von 60 Millionen Euro bereithalten.

Nicht kalkulierbare Gefahren für Umwelt und Menschen

Die Summe von 60 Millionen Euro als Sicherheit klingt zunächst gewaltig, sieht man sich jedoch an, um welche Summen es bei der Ölkatastrophe der Deep Water Horizon im Jahre 2010 handelte, relativieren sich ein paar Millionen. Die Explosion der Ölplattform Deep Water Horizon kostete den britischen Ölkonzern viele Milliarden. Doch viel dramatischer ist die Tatsache, dass all dieses Geld nicht verhindern kann, was die Natur und somit auch der Mensch an Auswirkungen hinnehmen muss, denn faktisch gibt es für den Eintritt eines Zwischenfalls keinen genauen Notfallplan und sichere Schritte, um eine Umweltkatastrophe abzuwenden.
Die Explosion auf der Deep Water Horizon kostete 11 Mitarbeiter das Leben. Nach zwei Tagen sank die Plattform auf eine Tiefe von 1500 Metern. Das Unglück ging als die zweitgrößte Ölkatastrophe in die Geschichte ein, bei dem 30.000 Quadratkilometer mit 800.000 Tonnen Rohöl verseucht wurden. Dies ist die 4-fache Fläche der Kanaren.
Damals unternahm der Konzern über mehrere Monate verschiedene verzweifelte Versuche, den unkontrollierten Austritt des Rohöls zu stoppen, während das bereits ausgetretene Öl durch den Einsatz von Chemiekalien, Abbrennen und Absaugen von der Wasseroberfläche versucht wurde, zu entfernen. Die Folgen dieser Aktionen schädigen die Natur auf nicht absehbare Zeit.
Laut erster Schätzungen vermutet man vor den Kanaren Ölreserven, die den Bedarf Spaniens für 20 Jahre zu etwa 10 Prozent decken könnten. Vielleicht wäre es sinnvoller, diese 10 Prozent durch Umdenken und sparsamere Fortbewegungsmittel zu kompensieren.

Alternativen zum Erdöl

Wie lange die weltweiten Ölvorkommen noch reichen, darüber gibt es verschiedene Ansichten auseinander Meist ist von etwa 50 Jahren die Rede. Wir brauchen Alternativen, denn Rohöl bestimmt unser Leben wie kein anderer Rohstoff. In erster Linie als Treibstoff und zur erzeugung von Wärme wird es auch zur Herstellung von Farbe, Plastik, Kosmetik, Reinigungsmittel oder Medizin wird es benötigt.
Neben der bereits erfolgreich praktizierten Art der Stromerzeugung aus Sonnen- und Windenergie, gibt es weitere Ansätze für Alternativen zum Rohöl.
In der Schifffahrt versucht man bereits durch Windenergie einen zusätzlichen Antrieb zu nutzen und so zumindest den Treibstoffverbrauch zu senken. Einige Mineralölkonzerne engagieren sich gemeinsam mit Luftfahrtunternehmen im Bereich der synthetischen Kerosinherstellung aus Mikroalgen und konnten bereits erste Testflüge absolvieren.Die Automobilindustrie tüftelt seit Jahren an Brennstoffzellen, um Energie aus Wasser- und Sauerstoff zu gewinnen. Um Plastikprodukte herzustellen, benötigt man Erdöl, doch Alternativen bieten Glukose, Kartoffelstärke, Milchsäure oder z.B. Kohlendioxid. Auch in der Bekleidungsindustrie dominiert chemisch produzierte Kleidung. Spinnenseide könnte in Zukunft ein alternativer Rohstoff sein. Auch im Baugewerbe könnte ein Umdenken stattfinden und z.B. ein adäquater Ersatz für Mineralwolle zur Hausdämmung in Pflanzenfasern gefunden werden.

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