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Kultur & Geschichte (Ausgabe 02/11)  
   
 

Geheimnisvolle Orte auf La Palma

Unweit von La Galga findet man an der schroffen, steilen Küste einen gewaltigen Felsen, von dessen luftiger Höhe der weite Blick auf das Meer freigegeben wird und dem man den Namen „El Salto del Pastor“ gegeben hat, was „ Hirtensprung“ bedeutet. Und glaubt man der überlieferten Legende, soll genau hier eine unendlich tiefe Liebe zwischen einem Schäfer und einer schönen Bauerstochter, deren Eltern eine Ziegenherde besaßen, ihr tragisches Ende gefunden haben.
Es wird berichtet, dass beide jungen Leute in der Abgeschiedenheit als Einzelkinder ihrer Eltern, die ebenso rechtschaffene Bauern waren, der Einsamkeit überdrüssig waren und sich nach einem lieben Menschen an ihrer Seite sehnten.
Der Zufall wollte es, dass der stattliche Jüngling mit seiner Schafherde und die schöne, aber eingebildete Bauerstochter mit ihren Ziegen beim Hüten der Tiere zusammen trafen und auf den ersten Blick eine tiefe Zuneigung füreinander empfanden, die von Tag zu Tag größer wurde. Da auch die Eltern keine Einwände gegen die Verbindung hatten, hätte das Glück nicht vollkommener sein können.
Eines Tages gestand der junge Mann dem Mädchen, dass er nicht mehr ohne es leben wollte und alles dafür tun würde, sie für immer zu bekommen. Da soll das eitle Mädchen den schroffen Felsen hinab gesehen und dabei die Bedingung genannt haben, nach der sie ihn erhören wollte. Sie wusste, dass er ein mutiger und geschickter Springer war und verlangte als Liebesbeweis, dass der Schäfer drei Mal den Felsen hinab auf einen Felsvorsprung springen sollte. Trotz der Gefahr wollte der Hirte es wagen, suchte nach einem Punkt, wo er die Lanze einsetzen konnte und sprang auf den Felsen.
Zum Mädchen zurückgekehrt, durfte er ihre Hand küssen. Ebenso tollkühn setzte er zum zweiten Sprung an, der ihm ebenfalls glückte. Als Lohn durfte er das Mädchen in die Arme schließen. Die Aussicht auf den Verlobungskuss ließ ihn jedoch unbedacht werden. So geschah es dann, dass er die Beschädigung der Lanze übersah und statt auf dem Felsvorsprung in die Tiefe des Meeres zu Tode stürzte.
Noch heute soll man an diesem Ort im Heulen des Windes den Todesschrei und das Wehklagen des Mädchens hören können, die denjenigen, den sie am meisten auf der Welt liebte, mit ihren Wünschen in den Tod getrieben hatte.
Ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, weiß man nicht sicher, aber die Vertiefung, in der der Jüngling seine Lanze setzte und den Felsvorsprung gibt es wirklich. Und die Kunst, mit einer Lanz geschickt die Hänge zu überwinden, hat sich bis heute auf La Palma erhalten.


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