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Guanchen – Die ersten Siedler der Kanaren

Jun 22, 09 • Kultur / CulturaKommentare deaktiviertRead More »

guanche

Der allgemein bekannte Teil der kanarischen Geschichte beginnt mit der gewaltsamen Eroberung der Kanaren durch Jean de Bethencourt und Alonso Fernandez de Lugo im 15. Jahrhundert. Die Ureinwohner der Inseln wurden in der Folge versklavt oder verschleppt. Von ihrer Kultur und Geschichte ist nur wenig überliefert. Das Wissen darüber stammt überwiegend von den Eroberern und deren Siedlern.
Historiker gehen mittlerweile davon aus, dass die ersten Menschen etwa 3000 v. Chr. zu einem Teil von Osten, etwa der Sahara, auf die Kanaren kamen. Archäologischen Ausgrabungen zufolge stammte eine weitere Bevölkerungsgruppe aus Südwesteuropa. In den folgenden Jahrtausenden bis 200 v. Chr. sind weitere Menschen aus Nordafrika übersiedelt und auch die Phönizier kamen auf die Inseln. Die letzte große Zuwanderungsgruppe waren die Berber, etwa ab dem 6. Jahrhundert bis in das Jahr 800.

Die Ureinwohner hießen „Guanchen“, abgeleitet von der Bezeichnung Guanchinet>Mensch. Die Altkanarier waren friedliebend und lebten in einer Art steinzeitlichen Kultur , geprägt durch Ackerbau und Viehzucht. Um Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte anzubauen, legten sie riesige Terrassen mit Bewässerungsgräben an. Außerdem züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine und jagten Rieseneidechsen, eine endemische Eidechsenart, die jedoch heute nur noch auf Gomera, El Hierro, Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura zu finden ist. Auf La Gomera wurde daher mit der Vermehrung dieser Spezies begonnen, um sie vor dem aussterben zu bewahren.

Im kulturellen Zusammenleben der Guanchen spielten Tanz und Gesang eine große Rolle, vor allem während der zahlreichen Feste im Sommer. Besonders beliebt waren auch verschiedene Wettkämpfe, wie Steinheben oder Stockfechten. Aus der damaligen Form der Ringkämpfe entwickelte sich dann der auch heute noch praktizierte Lucha Canaria.

Die Ureinwohner hatten eine eigene Sprache, das sog. Guanche. Auf den Inseln entwickelten sich eigene Mundarten, allerdings gab es zwischen den Bewohnern der verschiedenen Inseln keine Verbindung, da die Altkanarier die Schifffahrt nicht kannten.
Eine besonders – im wahrsten Sinne des Wortes – „pfiffige“ Form der Kommunikation war die spezielle Pfeifsprache, „El Silbo“. Die Altkanarier hatten sie entwickelt, um die großen Entfernungen über die schroffen Barrancos hinweg leichter überbrücken zu können und so Nachrichten und Mitteilungen schnell und unproblematisch übermitteln zu können. Heutzutage ist diese Pfeifsprache gelegentlich noch auf Gomera zu hören. Dort wird sie mittlerweile auch wieder in den Schulen unterrichtet.
Zur Kultur der Altkanarier gehörten vor allem auch die reich verzierten Töpfereien. Weit verbreitet sind die typischen kringelförmigen Muster. Sie zieren auch heute noch die Replikate in den Kunsthandwerksläden.

Ihre Kleidung stellten die Guanchen vor allem aus Tierfellen her, ihr Schmuck war aus Muscheln, Steinen, Tonkugeln und Knochen gefertigt. Sie wohnten entweder in natürlichen Berghöhlen oder in Steinhütten, die mit Stroh gedeckt waren.
Die Guanchen lebten in größeren Gruppen zusammen, die von einem Häuptling angeführt wurden. Der wohl bekannteste war Tanausu. Er versuchte die Stämme La Palmas zusammenzuführen, um sich gegen die spanischen Invasoren zu wehren, doch auch er wurde letztlich durch einen Hinterhalt gefangen. Wer sich für die Geschichte Tanausus und den Kampf der Guanchen gegen die Spanier interessiert, dem sei folgendes Buch empfohlen: „Tanausu, der letzte König der Kanaren“.

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