Weinbau La Palma

Edle Tropfen aus dem Lava-Land

Seit dem Jahre 1995 ist La Palma ein Weinbaugebiet mit der gesetzlichen Herkunftsbezeichnung „Denominacion de Origen“. Dabei zählte der palmerische Malvasier bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den herrschaftlichen Häusern ganz Europas zu den besonders edlen Tropfen. Sogar Shakespeare und andere Dichter damaliger Zeit rühmten den hiesigen Wein. War er doch einst wichtigste Einnahmequelle der Insel. Der hohe Mineralstoffgehalt der Vulkanasche macht die Insel zu einem hervorragenden Anbaugebiet für Rebengewächse. So prägen die weitläufigen Weinberg-Hänge einen großen Teil des Landschaftsbildes. Die meist am Boden wachsenden Reben sind so bestens vor Wind geschützt und werden in Höhen von 200 bis 1400 m.ü.M. auf insgesamt 1600 ha kultiviert.

Die Hauptanbaugebiete der Insel sind Hoyo de Mazo, Fuencaliente und weite Teile des Nordens. Bekannteste Sorten sind: Negramoll, Listan, Malvasia, Sabro, Verdello, Moscatel, Bujariego, Gual, Albillo, Almuneco und Prieto. Aus dem Norden stammen die bekannten Tea-Weine mit ihrem typischen harzigen Geschmack, der durch die Reifung in Tea-Holz Fässern entsteht.
Mehr Informationen erhalten sie auch im Weinmuseum in Las Manchas.

Palmerischer Karneval – Wenn es Pulver regnet

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Jeder Jeck is anners“ sagen die Kölner. Die palmerischen „Jecken“ sind in der Tat anders und der palmerische Karneval auch. Man macht sich hier lustig, so wie auch in Deutschland über andere und zwar bevorzugt über die neureichen Ex-Palmeros, die einstmals mit „Koffern voller Geld“, nach Jahren des Exils in Kuba, wieder auf La Palma landeten und hier ihren Landsleuten heftig auf die Nerven gingen. Das ist zumindest der Ursprung des größten Festtages im palmerischen Karneval, dem „Dia de los Indianos“. „Indianer“ nennen sie sie spöttisch und lassen sie alljährlich in einer bizarren Ulk-Prozession mit Pappkoffern, aus denen (Papier)geld quillt am Rosenmontag in Santa Cruz de La Palma wiederauferstehen und unter manchem Gelächter des Publikums an Land gehen.

In Begleitung üppig wogender, schwarz angemalter „Mammies“ schleppen sie ihren demonstrativen Reichtum ins Rathaus. Von dort setzt sich dann mit vielfältiger Begleitmusik ein munterer Zug in Bewegung. Besonders auffällig: Die Menschen sind alle weiss angezogen und das aus gutem Grund. An diesem Tag bewerfen sich nämlich die Feiernden ausgiebig mit weißem Talkum- oder auch Babypuder, der schon Tage und Wochen vorher in allen Supermärkten in Kilo schweren Säcken angeboten wird. Ein Mordsgaudi für alle und so wird getanzt, gelacht und gefeiert in der Stadt bis zum Morgengrauen, wenn dann irgendwann die Stadtreinigung die Spuren der Nacht beseitigt. Anders als in Deutschland ist der Karneval nicht schon am Aschermittwoch wieder vorbei.  

Das Ende es Karnevals wird mit großem TamTam am darauffolgenden Samstag in einer bunten und grellen Zeremonie gefeiert, wenn nämlich „die Sardine“ beerdigt wird. Dabei handelt es sich um einen riesigen knallbunten Pappmaché-Fisch, liebevoll in wochenlanger Handarbeit hergestellt. Unter großem Gejammer und Gejaule wird die Sardine – vor allem in der Gemeinde Barlovento herrlich anzuschauen – angezündet und abgefackelt. Zum Schluss donnert noch ein großes Feuerwerk über dem Städtchen und dann ist auch auf La Palma alles vorbei. Bis zum nächsten Jahr.

Lucha Canaria – Der kanarische Ringkampf

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Als wir letztens bei Felipe und Miguel in der Bodega zum Weintrinken eingeladen wurden, kamen wir auf das Thema Lucha Canaria. Rein zufällig war Miguel früher Luchadero und wir fragten ihn ein wenig aus. Lucha Canaria stammt wahrscheinlich von den Ureinwohnern der Kanarischen Inseln, den Guanchen. Ganz sicher ist es wohl nicht, weil ähnliche Ringkämpfe im Spanischen Leon und in Korea dokumentiert sind. Sicher ist aber, dass Lucha Canaria seit mindestens 500 Jahren ausgeübt wird und seit 1872 schriftlich festgelegt ist. Beim Lucha Canaria geht es in erster Linie darum, den Gegner ohne Aggression und Gewalt auf den Boden zu werfen. Es geht um Geschicklichkeit und um Strategien, wie man den Gegner am besten zu fall bringt. Sobald ein anderer Körperteil als die Fußsohlen zum zweiten Mal den Sand berührt, ist der Kampf verloren und die Runde entschieden.
Egal ob der Gegner nun deutlich schwerer ist oder nicht. Im Unterschied zum Boxkampf, gibt es hier keine Gewichtsklassen, vielmehr muss man den unter Umständen schwereren Gegner mit Schnelligkeit oder Geschick überlisten.

Miguel fängt also an ausführlich über „seinen“ Sport zu reden und erklärt uns, dass es unzählige Griffe und Techniken gibt, seinen Gegner zu besiegen. Dabei werden Mannschaften aufgestellt, die aus 12 Luchaderos bestehen, die wiederum gegen die anderen zwölf zum Kampf antreten. Der Ringkampf ist beendet, wenn alle zwölf aus einem Team zu Boden gegangen sind. Das kann gut und gerne bis zu zwei Stunden dauern. Etwas kurios erscheint die Tradition, dass der Gewinner einer Runde am Rand der Arena entlang geht und ihm Geld zugeworfen wird. Bei unseren Recherchen aber treffen wir immer wieder auf Würde und gutes Benehmen in diesem Sport. Auch Miguel erklärte uns, dass Lucha ein sehr nobler Sport sei. Geht ein Ringer zu Boden, so wird ihm aufgeholfen. Der Sieger klopft dem Verlierer auf die Schulter und fragt, ob alles in Ordnung ist. So sind die Regeln.
Ab Oktober treten innerhalb der Kanarischen Inseln die besten Teams der einzelnen Inseln gegeneinander an, um das erfolgreichste Team der Kanaren zu erringen. Dann geht das Team einmal im Jahr auf Tour, um sich mit den koreanischen Sirium Ringern zu messen, die nach etwas anderen Regeln kämpfen. Glaubt man den Zeitungsberichten, so gewinnen die Luchadores häufiger als die Sirium Ringer.

In diesem Jahr fand im März der interkulturelle Austausch in Madrid statt. Danach flog im Mai eine Delegation der Besten Teams nach Korea.
Lucha Canaria ist ein tief verwurzelter Teil der Kanarischen Tradition und eine der wenigen Überreste der Guanchen Identität, die bis in unsere Zeit überlebt hat. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Lucha Canaria gepflegt wird. In der Stadt La Laguna, Tenerife zum Beispiel, macht man sich dafür stark, dass die Kämpfe der traditionellen Lucha Canaria auf den regionalen Sendern des Tele Canaria ausgestrahlt werden. Vielleicht lässt sich so etwas ja auch auf La Palma realisieren.

Bajada de la Virgen del Pino

 Die „Bajada de la Virgen del Pino“ 2009

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Auf La Palma gibt es viele Feste, kleine, große, solche heidnischen Ursprungs, aber meistens natürlich solche, welchen ihren Grund tief in unserem Glauben verwurzelt finden. Eine Besonderheit der Katholischen Kirche ist dabei die Marienverehrung, die so ganz ohne künstlichen Paritätsanspruch die Mutter des Jesus Christus auf einen sehr hohen Thron stellt. Dabei verleiht man der, ganz lokal in vielen unterschiedlichen Erscheinungsbildern auftretenden Maria immer den Beinamen „Virgen“, was auf Deutsch zwar Jungfrau bedeutet, aber sich weniger auf den rein medizinischen Zustand beruft , sondern eher mit dem Ausdruck Reinheit oder Unschuldigkeit übersetzt werden muss. Dabei haben wir so viele „Virgenes“ wie Dörfer könnte man meinen und in der Tat ist die Vielzahl der Marienabbilder für nicht Eingeweihte fast verwirrend. Auf La Palma ist die wohl bekannteste Marienfigur die „Virgen de Las Nieves“, die in der Wallfahrtskirche eben des Ortes Las Nieves Zuhause ist und der man auch den Titel Schutzpatronin der Insel La Palma verliehen hat, obwohl das eigentlich die Aufgabe des „San Miguel Arcángel“ ist, der zumindest Namensgeber der Insel San Miguel de La Palma ist.

Auf jeden Fall warten diese Schutzpatroninnen ja meist einsam in Wallfahrtskirchen „geparkt“ auf Besucher und ihren großen Auftritt, der meist allerdings nur alle paar Jahre stattfindet, es ist halt ein wirkliches Großereignis, wenn die Jungfrau dann auch mal in die Stadt ausgeführt wird. „Bajada de La Virgen“ ist da das Zauberwort, die „Niederkunft der Jungfrau“ und Hauptbestandteil dieser wirklich ausgiebigen Feste ist dabei die „Romería“, der festliche Umzug der Marienstatue von ihrer Wallfahrtsstätte in die eigentlich zu schützende Stadt. Alle fünf Jahre findet die „Bajada de la Virgen de Las Nieses“ statt, die „Virgen del Pino“ aus El Paso wird alle drei Jahre in den Stadt getragen. Dabei muss man beachten, auch auf Gran Canaria gibt es eine Virgen del Pino, das ist sogar die Schutzheilige der ganzen Insel dort, allerdings erschien dort eine Mariengestalt in der Krone einer Kiefer, bei uns auf La Palma fand diese Erscheinung im Stamm der wohl ältesten Kanarischen Kiefer des gesamten Archipels statt.

Die erste Erwähnung einer Marienerscheinung in dem Baum datiert auf das Jahr 1493, also ein Jahr nachdem Alonso Fernández de Lugo mit seinen Mannen in Tazacorte landete und just einer seiner Soldaten soll eine Marienstatue im Geäst der damals schon mächtigen Kiefer gefunden haben. Er schnitzte einen Hohlraum in den Baum, um die kleine Staute wohl besser zu schützen, den Hohlraum kann man heute noch sehen, die Statue aber nicht mehr. Wann genau diese, allererste Statue, abhanden kam, das weiß man nicht mehr, jedenfalls stand bis 1930 in der Baumhöhle, beleuchtet von einer Laterne, die zweite Statue der Virgen del Pino, bis man die heutige Wallfahrtskirche baute und eine neue, deutlich größere Statue weihte, welche bis heute die Virgen del Pino verkörpert. Als es noch keinen Tunnel gab und keine Autos, war die schnellste Verbindung zwischen Ost- und Westseite der Insel der Reventón-Pass, so dass jeder Reisende an der großen Kiefer vorbeikam, dort Rast machte und der Marienstatue ein Gebet schenkte, einen Dankesspruch ausbrachte, vielleicht für die geglückte Reise oder das gut Geschäft was man mit der Ware von der anderen Inselseite gemacht hatte, oder einfach auch nur einen geheimen Wunsch zuflüsterte.

So gelangte die Virgen del Pino zu allergrößter Popularität hier auf La Palma, weit über die Grenzen der Stadt El Paso hinaus. Noch heute pilgern viele Menschen zu der Wallfahrtskirche, aus den bereits vorher genannten Gründen, die anziehende Wirkung der Virgen del Pino , welche Statue es denn nun auch sei, hat kaum nachgelassen. Allerdings gab es seinerzeit noch keine festen Termine an denen die Statue in die Stadt getragen wurde, es kam eher sporadisch vor, dass man eine „Bajada“ veranstaltete, die aber dann auch rein religiöser Natur war. Die erste „Romería“, so wie wir sie heute noch kennen, fand 1955 statt und von da an alle drei Jahre. Auch in diesem Jahr, 2009 ist es wieder so weit, am 16. August findet der große Auftritt unserer zarten und so verletzbar anmutenden Marienstatue statt, die ganze Stadt, festlich in traditioneller Kleidung und mit unzähligen von geschmückten Wagen zieht hinauf zur Wallfahrtskirche und begleitet diese in einem rauschenden Umzug in den Ort. Manche sagen sogar, unsere „Romería“ sei schöner als die in Santa Cruz, wobei man das vielleicht eher so beschreiben sollte, der Festumzug in El Paso ist ursprünglicher und mit weniger Medieninteresse behaftet, auch einfach noch näher an den Menschen und eben auch an der Jungfrau selbst.

So hat im Gegensatz in der Hauptstadt zum Beispiel der berühmte „Zwergentanz“ an Bekanntheit, zumindest außerhalb der Insel, den Ruf der Jungfrau bereits überflügelt, obwohl dieses Schauspiel ursprünglich überhaupt nicht Bestandteil der Marienverehrung war, sondern erst später als Programmpunkt der Feierlichkeiten mit aufgenommen wurde. Aber da liegen sich Traditionalisten und Populisten schon immer in den Haaren, während die einen den „wahren“ Charakter der religiösen Feierlichkeiten durch zuviel „Kollateralgeschunkel“ gefährdet sehen, vertreten die anderen die Ansicht, so viel Feierlichkeit wie nur irgend möglich kann nicht verkehrt sein. Dennoch bleibt bei allem Pomp und feierlichen Nebenschauplätzen den Menschen des Ortes und der Insel immer die „Romería“ selbst als unbestrittener Höhepunkt der „Bajada“ in Erinnerung. In unserem pragmatisch katholisch geprägten Umfeld gibt es keine Möglichkeit seine Religiosität unbefangener und fröhlicher zur Schau zu stellen, wie auch die wirkliche Verehrung und Devotion der Schutzpatronin unseres Ortes zu zelebrieren als auf einem solchem Umzug. So sind es auf der Romería nicht nur die frommen Witwen und strengen Honoratioren der Stadt, welche in religiösem Tun ihre Verwirklichung suchen, sondern auch aus jungen Kehlen stolzer Bürgern hört man die lauten wie freudigen Rufe: ¡ Viva la Virgen ! und etwas leiser vielleicht, ¡Vivia El Paso!

Dabei ist die „Jungfrau der Kiefer“ eigentlich gar nicht die Patronin der Kirchengemeinde des Ortes, denn unsere Pfarrkirche ist dem Schutz der „Nuestra Señora de la Concepción de Bonanza“ anvertraut, aber das tut der Marienverehrung allgemein und eben der Devotion an die „Virgen del Pino“ schon lange keinen Abbruch. Der Festzug beginnt gegen Mittag, um 14:00Uh, die Statue wird aus der Wallfahrtskriche getragen und erst gegen Abend ist die „Virgen“ dann im Ort, das hängt von der Organisation, dem Pfarrer, dem Wetter und vielleicht auch von der „Jungfrau“ selbst ab, wie schnell die 6 Kilometer in den Ort zurückgelegt werden. Da muss man auch keine Eile haben, wenn die ersten Schmuckwagen bereits in den Ort einbiegen, fahren die letzten Karossen erst bei der Wallfahrtskirche ab. Allerdings kann man jedem Interessenten nur empfehlen, bereits mittags einen der vielen Shuttlebusse aus dem Stadtzentrum El Pasos zu nehmen, sich hochfahren zu lassen und dann lässt man sich mit der „Jungfrau“ und einer unüberschaubaren Anzahl an ausgelassen fröhlich feiernden Menschen mit in die Stadt treiben, wobei ein Glas Wein oder zwei an dem Tag keinen Schaden anrichten können, wir sind ja in bester Gesellschaft. Wie lange dann jeder durchhält und ob es noch bis zum anschließenden Tanz unter freiem Himmel in El Paso bis in die Morgenstunden reicht, das ist dann jedem selbst überlassen. (Mathias Siebold)

La Palma Wandern: Romantische Pfade des Nordens

Gemütliche Wanderung für Einsteiger durch Drachenbaumhaine zu den Cuevas de Buracas

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Direkt an der Kirche von Las Tricias nahe Puntagorda, gleich am Ortseingang, beginnt unsere Wanderung. Ein unübersehbares Schild weist den Weg.
Wie bei allen Wanderungen auf La Palma ist festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung ratsam. Die mit Blumen umsäumten Pfade sind größtenteils befestigt, zum Teil jedoch recht steil, so dass Trittsicherheit gefragt ist.
Es lohnt sich, zeitig aufzubrechen, um die atemberaubende Natur in aller Stille und ganz für sich zu genießen.
Von der Kirche aus führt der Weg zunächst durch private Gärten abwärts und trifft nach ca. 5 Min. auf eine Wegkreuzung. Hier biegen wir nach rechts auf den breiten, gepflasterten Weg ein und erreichen kurz darauf wieder die Straße. Dieser folgen wir für ca. 200 Meter und gehen in einer Rechtskurve weiter geradeaus in einen breiten, gepflasterten Weg, welcher mit einem Wegweiser gekennzeichnet ist. Diesem Wanderpfad folgen wir nun immer weiter bergab, queren noch einige Male die Straße und werden später von einem Holzschild mit der Aufschrift “La Traviesa” geleitet.

Immer wieder halten wir inne, um den traumhaften Ausblick über die tiefen Barrancos mit den sich darin einbettenden Gehöften zu genießen und den Geräuschen der Natur zu lauschen. Auf einer Geländekuppe entdecken wir eine alte Gofiomühle. Weiter abwärts bringt uns der idyllische Weg zu den riesigen Drachenbäumen und es scheint als tauchen wir in eine andere, fast mystische Welt ein. Jeden Augenblick möchte man mit der Kamera einfangen, doch das Wetter ist dafür Heute leider nicht geeignet. Nun denn, wichtig sind die Bilder, die wir in unseren Köpfen bewahren.
Nach ca. 1 Stunde erreichen wir schließlich unser Ziel, die Höhlen Cuevas de Buracas und entdecken sogleich auch die Felsmalereien der Ureinwohner.
Der Rückweg bergauf ist etwas beschwerlicher und dauert daher etwa eine halbe Stunde länger. Da es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt, sollten Getränke mitgenommen werden.

Gehzeiten: Wanderung abwärts zu den Cuevas de Buracas ca. 1 Stunde, Rückweg ca. 1,5 Stunden, Gesamtzeit: ca. 2,5 Stunden, bei gemütlichem Tempo
Höhenunterschied: ca. 300 m

Felsmalereien – Zeichen aus vergangener Zeit

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Tief verborgen in den Wäldern und Schluchten La Palmas befinden sich die Felsmalereien der Ureinwohner.
Die sogenannten Petroglyphen leiten ihren Namen aus dem Griechischen ab: petros>der Stein, glyphein>aushöhlen, herausschnitzen. Sie stammen von den prähispanischen Ureinwohnern und zählen zu deren bedeutendsten kulturellen Hinterlassenschaften. Durch Schaben und Ritzen entstanden in den Felswänden La Palmas Bilder, die am häufigsten Spiralen und Mäander von einer Größe bis zu einem Meter zeigen. Bis Heute weiß man kaum etwas über die Bedeutung der Bilder. Man vermutet jedoch, dass es sich um die Darstellung natürlicher Phänomene handelt und das die Guanchen die Zeichnungen in unmittelbarer Nähe ihrer Kultstätten anbrachten, um damit die Götter um fruchtbare Weiden für ihr Vieh zu bitten.

Eine dieser Kultstätten liegt im archäologischen Park von La Zarza und La Zarcita im Nordwesten der Insel zwischen La Mata und Llano Negro. Im Besucherzentrum erfährt man Interessantes über die Kultur dieses Hirtenvolkes, das einst auf La Palma lebte. Auf dem etwa 30minütigen Rundweg zur Fuente de La Zarza informieren Schautafeln über Flora und Fauna der Insel. Nach weiteren 5 Gehminuten gelangt man schließlich zu den hiesigen Felsbildern, den interessantesten Entdeckungen auf der Insel.
Weitere Felsmalereien findet man unter anderem in der Cueva de Buracas, die man über einen Wanderpfad in Las Tricias erreichen kann.

Außerdem gibt es eine sehenswerte Fundstelle in Valencia, oberhalb von El Paso auf dem Weg zum Bejenado. Hier befinden sich die Felsgravuren von La Fajana, die erst 1982 entdeckt wurden, sowie ganz in der Nähe die Petroglyphen von El Cementerio im Barranco de Las Canales. Eine weitere Fundstelle gibt es im Südosten der Insel in der Cueva de Belmaco nahe dem Ort Mazo. Auch sie ist für Besucher zugänglich und lohnt einen Besuch. In diesem Zusammenhang sei auch das Archäologiemuseum in Los Llanos in der Calle Las Adelfas empfohlen, das erst vor kurzer Zeit eröffnet wurde.

Archäologiemuseum: Wo Historie auf Moderne trifft

Archäologiemuseum Los Llanos de Aridane

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Wer mehr über Las Palmas Urgeschichte und seine ursprünglichen Bewohner erfahren möchte ist eingeladen, sich das wohl gelungenste und zugleich modernste Bauwerk der Insel im Herzen von Los Llanos zu besuchen: das Museo arqueológico. Der Rundbau empfängt den Besucher mit einer architektonisch schön strukturierten Eingangshalle, in der man unweigerlich den Blick nach oben richtet. Tatsächlich befindet sich die eigentliche Ausstellung in der ersten Etage und wählt man den Rund(auf)gang, so begegnet man als erstes einer typischen Wohnhöhle der palmerischen Ureinwohner. Eine Infotafel informiert über die verschiedenen Lebensbereiche in einer solchen Höhle. Neben der „Küche“ erkennen wir eine Schlafkoje und direkt nebenan befindet sich eine Nebenhöhle: es ist die Ruhestätte der Vorfahren. Schnell fällt der Blick des Besuchers auf einen kleinen Bildschirm, auf dem eine ganz besonders hübsch gemachter Animationskurzfilm läuft: in Aquarelloptik sieht der Betrachter hier Szenen des Bestattungsritus der Guanchen. Ein kleines, aber besonders schön gelungenes Detail der Ausstellung.

Große Glasvitrinen informieren den Besucher über die verschiedenen Phasen palmerischer Keramik und der Verwendung der unterschiedlichen Naturmaterialen für den Alltag der Ureinwohner. Viel eher aber zieht es den Besucher zu dem kleinen Steinhüttenensemble, das inmitten des Raumes nachgebaut wurde. Hier wirft man einen Blick in die gute Stube der Ureinwohner inclusive Ziegenstall und Vorratshütte. Eigentlich, alles was der Mensch so braucht. Eine große Wandinstallation zeigt, wo auf der Insel sich die Ansiedlungen der Ureinwohner befanden. Dabei sind es teilweise eher Höhlenbehausungen oder aber Steinhüttensiedlungen. Eine Timeline am Boden führt uns von der Urzeit bis in die Gegenwart und eine Videoeinspielung macht uns erneut bewusst, dass wir mitten auf Vulkanen leben, deren letzter gewaltiger Ausbruch ja auch gar noch nicht so lange her ist.

Eine Reihe von Steinquadern lädt den Besucher ein, sich einen Moment zu setzen und zu verweilen. Sein Blick wird auf eine weitere Wandinstallation gerichtet, welche über die unterschiedlichen Klimazonen der Insel und deren Tier- und Pflanzenwelt informiert. Zudem gibt es einiges über die Haltung von Ziegen und über inseltypische Produkte zu erfahren. Insgesamt eine informative, gut überschaubare und den Besucher nicht überfrachtende Schau. Schade nur, dass es kein begleitendes schriftliches Material zur Ausstellung gibt. Das wäre für viele Besucher sicher eine sinnvolle Ergänzung.

Guanchen – Die ersten Siedler der Kanaren

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Der allgemein bekannte Teil der kanarischen Geschichte beginnt mit der gewaltsamen Eroberung der Kanaren durch Jean de Bethencourt und Alonso Fernandez de Lugo im 15. Jahrhundert. Die Ureinwohner der Inseln wurden in der Folge versklavt oder verschleppt. Von ihrer Kultur und Geschichte ist nur wenig überliefert. Das Wissen darüber stammt überwiegend von den Eroberern und deren Siedlern.
Historiker gehen mittlerweile davon aus, dass die ersten Menschen etwa 3000 v. Chr. zu einem Teil von Osten, etwa der Sahara, auf die Kanaren kamen. Archäologischen Ausgrabungen zufolge stammte eine weitere Bevölkerungsgruppe aus Südwesteuropa. In den folgenden Jahrtausenden bis 200 v. Chr. sind weitere Menschen aus Nordafrika übersiedelt und auch die Phönizier kamen auf die Inseln. Die letzte große Zuwanderungsgruppe waren die Berber, etwa ab dem 6. Jahrhundert bis in das Jahr 800.

Die Ureinwohner hießen „Guanchen“, abgeleitet von der Bezeichnung Guanchinet>Mensch. Die Altkanarier waren friedliebend und lebten in einer Art steinzeitlichen Kultur , geprägt durch Ackerbau und Viehzucht. Um Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte anzubauen, legten sie riesige Terrassen mit Bewässerungsgräben an. Außerdem züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine und jagten Rieseneidechsen, eine endemische Eidechsenart, die jedoch heute nur noch auf Gomera, El Hierro, Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura zu finden ist. Auf La Gomera wurde daher mit der Vermehrung dieser Spezies begonnen, um sie vor dem aussterben zu bewahren.

Im kulturellen Zusammenleben der Guanchen spielten Tanz und Gesang eine große Rolle, vor allem während der zahlreichen Feste im Sommer. Besonders beliebt waren auch verschiedene Wettkämpfe, wie Steinheben oder Stockfechten. Aus der damaligen Form der Ringkämpfe entwickelte sich dann der auch heute noch praktizierte Lucha Canaria.

Die Ureinwohner hatten eine eigene Sprache, das sog. Guanche. Auf den Inseln entwickelten sich eigene Mundarten, allerdings gab es zwischen den Bewohnern der verschiedenen Inseln keine Verbindung, da die Altkanarier die Schifffahrt nicht kannten.
Eine besonders – im wahrsten Sinne des Wortes – „pfiffige“ Form der Kommunikation war die spezielle Pfeifsprache, „El Silbo“. Die Altkanarier hatten sie entwickelt, um die großen Entfernungen über die schroffen Barrancos hinweg leichter überbrücken zu können und so Nachrichten und Mitteilungen schnell und unproblematisch übermitteln zu können. Heutzutage ist diese Pfeifsprache gelegentlich noch auf Gomera zu hören. Dort wird sie mittlerweile auch wieder in den Schulen unterrichtet.
Zur Kultur der Altkanarier gehörten vor allem auch die reich verzierten Töpfereien. Weit verbreitet sind die typischen kringelförmigen Muster. Sie zieren auch heute noch die Replikate in den Kunsthandwerksläden.

Ihre Kleidung stellten die Guanchen vor allem aus Tierfellen her, ihr Schmuck war aus Muscheln, Steinen, Tonkugeln und Knochen gefertigt. Sie wohnten entweder in natürlichen Berghöhlen oder in Steinhütten, die mit Stroh gedeckt waren.
Die Guanchen lebten in größeren Gruppen zusammen, die von einem Häuptling angeführt wurden. Der wohl bekannteste war Tanausu. Er versuchte die Stämme La Palmas zusammenzuführen, um sich gegen die spanischen Invasoren zu wehren, doch auch er wurde letztlich durch einen Hinterhalt gefangen. Wer sich für die Geschichte Tanausus und den Kampf der Guanchen gegen die Spanier interessiert, dem sei folgendes Buch empfohlen: „Tanausu, der letzte König der Kanaren“.

Tazacorte – ein Ort namens „Paris chiquito“

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Auf dem Weg zum langen Sandstrand in Puerto de Tazacorte durchquert man unter Umständen ein recht verschlafenes Örtchen namens Tazacorte-Pueblo, von der Bevölkerung liebevoll “Paris chiquito” genannt. Dabei lohnt es sich, hier durchaus auch einmal halt zu machen und einen Rundgang durch die Geschichte La Palmas zu unternehmen. Der Ort, in dem überwiegend Bauern und Fischer wohnten, ist auch Heute noch Heimat verschiedener Handwerkskunst.

Ein kleiner Rundgang durch Tazacorte

An der Kirche San Miguel, die hoch oben über der Straße trohnt, beginnt unser Weg. Die Kirche wurde über der ersten Wallfahrtskapelle der Insel erbaut und birgt Heute neben interessanten Kunstgegenständen die Reliquien des Martyriums der Jesuiten, welche im 16. Jahrhundert ihren Seeweg von Lissabon nach Brasilien antraten. Dort kamen sie nie an, da sie durch Piraten während eines Aufenthaltes in Fuencaliente (Los Canarios) ihren Tod fanden. Heute finden Taucher an dieser Stelle die zum Andenken ins Meer geworfenen Kreuze.

Tipp1: Direkt im Schatten der Kirche San Miguel befindet sich ein kleiner Kunsthandwerksladen namens “Lilith”. Kleider, Schuhe, Hüte, aus Seide und Baumwolle, handgefertigt.
Tipp2: Ebenfalls in unmittelbarer Nähe der Kirche befindet sich der Werkstattladen „Volcan Verde“, in dem man dem Handwerker bei seiner Arbeit zusehen kann.

Der Weg führt uns weiter durch einen andalusisch anmutenden Laubengang hinauf in die verwinkelten, schmalen Gässchen in Richtung Rathaus. Immer wieder neue lauschige Plätze mit kunstvoll, gestalteten Brunnen tun sich auf. Wir passieren ein hübsches, mit Blumen verziertes Haus, welches sich als das 1. Rathaus von 1925 herausstellt, dem Jahr, in dem die Bewohner von Tazacorte ihre Unabhängigkeit von Los Llanos erlangt haben.

Nach vielen Treppen, etlichen Ecken, und zum Teil wunderschön restaurierten Häusern, befinden wir uns wieder an der Hauptstraße und stehen, nach passieren einer breiten Fussgängerzone, vor dem neuen Rathaus mit seinem imposanten Brunnenvorplatz.
Weiter geht es in Richtig “El Charco”, dem ältesten Ortsteil Tazacortes. Dort befinden sich Gebäude von unschätzbarem Wert für das kulturelle Erbe der Gemeinde “Baganete”. Zum Beispiel das Massieu – Van Dalle – Monteverde und Ponte –Haus aus dem 17. Jahrhundert, welches Heute noch durch das Familienwappen über der Tür an die einstigen Besitzer erinnert. Seit der Renovierung durch den Inselrat dient es als Ort für verschiedene kulturelle Veranstaltungen.
Etwas unterhalb, inmitten der Bananenplatagen, gelangen wir zum Bananenmuseum. Ein zweistöckiges Gebäude in kanarischem Stil, welches nicht nur die Geschichte der Bananenkultur erzählt, sondern auch auf zahlreichen Tafeln über die Geschichte La Palmas informiert. Der Bananenanbau ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach wie vor wichtigster Wirtschaftszweig der Insel. Der etwas unscheinbare Name des Museums täuscht, denn ein Besuch dieses Museums ist sehr empfehlenswert.

Vom Genuss der Zigarre

Die Geschichte, Herstellung und der Genuss von Tabak

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Im Jahre 1492 entdeckte Kolumbus nicht nur Amerika, sondern dort auch den Tabak. Die dort lebenden Indiana rauchten schon damals den Tabak als gedrehte Zigarren. Mit der Unterdrückung und Ausrottung der Indiana ging diese Tradition verloren. Erst im 17. Jahrhundert entdeckten die Spanier diese Art des Tabakgenusses neu, welche seither als Erfinder der Puros gelten.
Die spanische Regierung strebte in Kuba eine Monopolstellung im Tabakhandel an. Dieser Versuch jedoch scheiterte, da Freibeuter die spanische Flotte immer wieder vor der kubanischen Küste kaperten. Die kanarischen Inseln dienten den Freibeutern damals als hervorragendes Versteck und als Umschlagplatz für ihre Schmugglerschiffe.
Bis Mitte des 17.Jahrhunderts entwickelte sich Havanna schließlich doch zum Zentrum für die Herstellung und Verschiffung des Tabaks. Im Jahre 1626 kamen die ersten offiziellen Schiffsladungen mit Tabak für Spanien auf den kanarischen Inseln an.

Erst Anfang des 18. Jahrhunderts fand der Tabakanbau und Genuss durch den Import der Pflanzen eine größere Verbreitung. Die bis dahin unternommenen Versuche , die fertigen Zigarren auf dem Seeweg zu transportieren scheiterten, da diese sich für die lange Seereise nicht eigneten.

1779 begann man auch in Deutschland die ersten Zigarren herzustellen und zu vertrieben. Der Absatz jedoch war schleppend. Erst über ein Jahrhundert später, als auch die Franzosen mit der Produktion begannen, folgten weitere europäische Länder. In Deutschland entwickelte sich nun ein riesiger Industriezweig. In keinem anderen Land wurde Mitte des 19. Jahrhunderts soviel Tabak konsumiert wie hier. Anfang des 20.Jahrhunderts produzierten die deutschen Fabriken weit über 8 Milliarden Zigarren. Noch heute wird die Zigarre in vielen Ländern der Welt produziert, die „Beste“ jedoch kommt noch immer aus Kuba. Auch der Tabak zur Herstellung der palmerischen Zigarren wird größtenteils von dort importiert, da der Tabakanbau auf La Palma durch das Kultivieren der Bananen abgelöst wurde.