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Bajada de la Virgen del Pino

Jun 22, 09 • Kultur / Cultura, Leben auf / Vivir en La PalmaKommentare deaktiviert für Bajada de la Virgen del PinoRead More »

 Die „Bajada de la Virgen del Pino“ 2009

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Auf La Palma gibt es viele Feste, kleine, große, solche heidnischen Ursprungs, aber meistens natürlich solche, welchen ihren Grund tief in unserem Glauben verwurzelt finden. Eine Besonderheit der Katholischen Kirche ist dabei die Marienverehrung, die so ganz ohne künstlichen Paritätsanspruch die Mutter des Jesus Christus auf einen sehr hohen Thron stellt. Dabei verleiht man der, ganz lokal in vielen unterschiedlichen Erscheinungsbildern auftretenden Maria immer den Beinamen „Virgen“, was auf Deutsch zwar Jungfrau bedeutet, aber sich weniger auf den rein medizinischen Zustand beruft , sondern eher mit dem Ausdruck Reinheit oder Unschuldigkeit übersetzt werden muss. Dabei haben wir so viele „Virgenes“ wie Dörfer könnte man meinen und in der Tat ist die Vielzahl der Marienabbilder für nicht Eingeweihte fast verwirrend. Auf La Palma ist die wohl bekannteste Marienfigur die „Virgen de Las Nieves“, die in der Wallfahrtskirche eben des Ortes Las Nieves Zuhause ist und der man auch den Titel Schutzpatronin der Insel La Palma verliehen hat, obwohl das eigentlich die Aufgabe des „San Miguel Arcángel“ ist, der zumindest Namensgeber der Insel San Miguel de La Palma ist.

Auf jeden Fall warten diese Schutzpatroninnen ja meist einsam in Wallfahrtskirchen „geparkt“ auf Besucher und ihren großen Auftritt, der meist allerdings nur alle paar Jahre stattfindet, es ist halt ein wirkliches Großereignis, wenn die Jungfrau dann auch mal in die Stadt ausgeführt wird. „Bajada de La Virgen“ ist da das Zauberwort, die „Niederkunft der Jungfrau“ und Hauptbestandteil dieser wirklich ausgiebigen Feste ist dabei die „Romería“, der festliche Umzug der Marienstatue von ihrer Wallfahrtsstätte in die eigentlich zu schützende Stadt. Alle fünf Jahre findet die „Bajada de la Virgen de Las Nieses“ statt, die „Virgen del Pino“ aus El Paso wird alle drei Jahre in den Stadt getragen. Dabei muss man beachten, auch auf Gran Canaria gibt es eine Virgen del Pino, das ist sogar die Schutzheilige der ganzen Insel dort, allerdings erschien dort eine Mariengestalt in der Krone einer Kiefer, bei uns auf La Palma fand diese Erscheinung im Stamm der wohl ältesten Kanarischen Kiefer des gesamten Archipels statt.

Die erste Erwähnung einer Marienerscheinung in dem Baum datiert auf das Jahr 1493, also ein Jahr nachdem Alonso Fernández de Lugo mit seinen Mannen in Tazacorte landete und just einer seiner Soldaten soll eine Marienstatue im Geäst der damals schon mächtigen Kiefer gefunden haben. Er schnitzte einen Hohlraum in den Baum, um die kleine Staute wohl besser zu schützen, den Hohlraum kann man heute noch sehen, die Statue aber nicht mehr. Wann genau diese, allererste Statue, abhanden kam, das weiß man nicht mehr, jedenfalls stand bis 1930 in der Baumhöhle, beleuchtet von einer Laterne, die zweite Statue der Virgen del Pino, bis man die heutige Wallfahrtskirche baute und eine neue, deutlich größere Statue weihte, welche bis heute die Virgen del Pino verkörpert. Als es noch keinen Tunnel gab und keine Autos, war die schnellste Verbindung zwischen Ost- und Westseite der Insel der Reventón-Pass, so dass jeder Reisende an der großen Kiefer vorbeikam, dort Rast machte und der Marienstatue ein Gebet schenkte, einen Dankesspruch ausbrachte, vielleicht für die geglückte Reise oder das gut Geschäft was man mit der Ware von der anderen Inselseite gemacht hatte, oder einfach auch nur einen geheimen Wunsch zuflüsterte.

So gelangte die Virgen del Pino zu allergrößter Popularität hier auf La Palma, weit über die Grenzen der Stadt El Paso hinaus. Noch heute pilgern viele Menschen zu der Wallfahrtskirche, aus den bereits vorher genannten Gründen, die anziehende Wirkung der Virgen del Pino , welche Statue es denn nun auch sei, hat kaum nachgelassen. Allerdings gab es seinerzeit noch keine festen Termine an denen die Statue in die Stadt getragen wurde, es kam eher sporadisch vor, dass man eine „Bajada“ veranstaltete, die aber dann auch rein religiöser Natur war. Die erste „Romería“, so wie wir sie heute noch kennen, fand 1955 statt und von da an alle drei Jahre. Auch in diesem Jahr, 2009 ist es wieder so weit, am 16. August findet der große Auftritt unserer zarten und so verletzbar anmutenden Marienstatue statt, die ganze Stadt, festlich in traditioneller Kleidung und mit unzähligen von geschmückten Wagen zieht hinauf zur Wallfahrtskirche und begleitet diese in einem rauschenden Umzug in den Ort. Manche sagen sogar, unsere „Romería“ sei schöner als die in Santa Cruz, wobei man das vielleicht eher so beschreiben sollte, der Festumzug in El Paso ist ursprünglicher und mit weniger Medieninteresse behaftet, auch einfach noch näher an den Menschen und eben auch an der Jungfrau selbst.

So hat im Gegensatz in der Hauptstadt zum Beispiel der berühmte „Zwergentanz“ an Bekanntheit, zumindest außerhalb der Insel, den Ruf der Jungfrau bereits überflügelt, obwohl dieses Schauspiel ursprünglich überhaupt nicht Bestandteil der Marienverehrung war, sondern erst später als Programmpunkt der Feierlichkeiten mit aufgenommen wurde. Aber da liegen sich Traditionalisten und Populisten schon immer in den Haaren, während die einen den „wahren“ Charakter der religiösen Feierlichkeiten durch zuviel „Kollateralgeschunkel“ gefährdet sehen, vertreten die anderen die Ansicht, so viel Feierlichkeit wie nur irgend möglich kann nicht verkehrt sein. Dennoch bleibt bei allem Pomp und feierlichen Nebenschauplätzen den Menschen des Ortes und der Insel immer die „Romería“ selbst als unbestrittener Höhepunkt der „Bajada“ in Erinnerung. In unserem pragmatisch katholisch geprägten Umfeld gibt es keine Möglichkeit seine Religiosität unbefangener und fröhlicher zur Schau zu stellen, wie auch die wirkliche Verehrung und Devotion der Schutzpatronin unseres Ortes zu zelebrieren als auf einem solchem Umzug. So sind es auf der Romería nicht nur die frommen Witwen und strengen Honoratioren der Stadt, welche in religiösem Tun ihre Verwirklichung suchen, sondern auch aus jungen Kehlen stolzer Bürgern hört man die lauten wie freudigen Rufe: ¡ Viva la Virgen ! und etwas leiser vielleicht, ¡Vivia El Paso!

Dabei ist die „Jungfrau der Kiefer“ eigentlich gar nicht die Patronin der Kirchengemeinde des Ortes, denn unsere Pfarrkirche ist dem Schutz der „Nuestra Señora de la Concepción de Bonanza“ anvertraut, aber das tut der Marienverehrung allgemein und eben der Devotion an die „Virgen del Pino“ schon lange keinen Abbruch. Der Festzug beginnt gegen Mittag, um 14:00Uh, die Statue wird aus der Wallfahrtskriche getragen und erst gegen Abend ist die „Virgen“ dann im Ort, das hängt von der Organisation, dem Pfarrer, dem Wetter und vielleicht auch von der „Jungfrau“ selbst ab, wie schnell die 6 Kilometer in den Ort zurückgelegt werden. Da muss man auch keine Eile haben, wenn die ersten Schmuckwagen bereits in den Ort einbiegen, fahren die letzten Karossen erst bei der Wallfahrtskirche ab. Allerdings kann man jedem Interessenten nur empfehlen, bereits mittags einen der vielen Shuttlebusse aus dem Stadtzentrum El Pasos zu nehmen, sich hochfahren zu lassen und dann lässt man sich mit der „Jungfrau“ und einer unüberschaubaren Anzahl an ausgelassen fröhlich feiernden Menschen mit in die Stadt treiben, wobei ein Glas Wein oder zwei an dem Tag keinen Schaden anrichten können, wir sind ja in bester Gesellschaft. Wie lange dann jeder durchhält und ob es noch bis zum anschließenden Tanz unter freiem Himmel in El Paso bis in die Morgenstunden reicht, das ist dann jedem selbst überlassen. (Mathias Siebold)

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